Wenn Kinder sofort Schutz brauchen: Schwerin meldet weniger Inobhutnahmen – doch die Kosten steigen

(stm/red)

Es ist einer der schwersten Eingriffe, die Jugendhilfe vornehmen kann: Ein Kind oder ein Jugendlicher wird in Obhut genommen. Das passiert nicht aus Routine, nicht wegen einer Kleinigkeit und nicht, weil eine Akte bearbeitet werden muss. Inobhutnahme bedeutet: Ein junger Mensch braucht vorläufig Schutz. Sofort. Organisiert durch das Jugendamt.

Eine aktuelle Informationsvorlage der Landeshauptstadt Schwerin zeigt nun, wie sich diese Schutzmaßnahmen in den Jahren 2024 und 2025 entwickelt haben. Die Zahl der kostenrelevanten Inobhutnahmen ist deutlich gesunken. Die Kosten sind trotzdem gestiegen.

Weniger Inobhutnahmen bei steigenden Kosten

Im Jahr 2024 wurden in Schwerin insgesamt 251 Leistungen für Inobhutnahmen gewährt. 2025 waren es 182 Leistungen. Das ist ein Rückgang um 69 Leistungen. Die Stadt weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um Inobhutnahmen handelt, die im jeweiligen Jahr kostenrelevant waren – unabhängig davon, in welchem Jahr die Inobhutnahme ursprünglich ausgesprochen wurde.

Finanziell zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Die Aufwendungen für Inobhutnahmen lagen 2024 bei 3.072.168 Euro. Im Jahr 2025 waren es 3.527.254 Euro. Obwohl die Zahl der Leistungen sank, gab Schwerin also rund 455.000 Euro mehr aus.

Noch deutlicher wird der Unterschied beim Durchschnitt pro Inobhutnahme. 2024 lagen die durchschnittlichen Aufwendungen bei 12.191 Euro. 2025 waren es 19.381 Euro. Damit stieg der durchschnittliche Aufwand je Inobhutnahme innerhalb eines Jahres um mehr als die Hälfte.

Die Vorlage nennt dafür keinen einzelnen pauschalen Grund. Sie verweist aber bei Kostenunterschieden auf die Zahl der Hilfeempfänger und auf die Dauer der Inobhutnahme. Diese werde in der Hilfeplanung entsprechend des jeweiligen Hilfebedarfs regelmäßig festgelegt. Übersetzt heißt das: Nicht nur die Zahl der Fälle entscheidet über die Kosten, sondern auch, wie lange Hilfe nötig ist und welche Form der Unterbringung gebraucht wird.

Zahl von unbegleiteten minderjährigen Ausländern deutlich gesunken

Ein gesonderter Blick gilt den unbegleiteten minderjährigen Ausländern. 2024 wurden für diese Gruppe 89 Leistungen für Inobhutnahmen gezählt. 2025 waren es 31 Leistungen. Die Aufwendungen sanken in diesem Bereich von 496.584 Euro auf 216.199 Euro. Nach Angaben der Stadt sind diese Aufwendungen jeweils zu 100 Prozent vom Land Mecklenburg-Vorpommern zu erstatten.

Auch die durchschnittlichen Kosten unterscheiden sich deutlich. Für Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer lagen die durchschnittlichen Aufwendungen 2024 bei 5.580 Euro, 2025 bei 6.974 Euro. Damit lagen sie in beiden Jahren unter dem Durchschnitt aller Inobhutnahmen.

Personalkosten steigen ebenfalls

Zum Gesamtbild gehört auch der Personalaufwand im Jugendamt. Für das Produkt „Vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen“ weist die Stadt 2024 228.099 Euro an Personalaufwendungen aus. 2025 waren es 254.912 Euro. Die Personalaufwendungen speziell für Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer werden nach Angaben der Stadt nicht gesondert erfasst.

Die Zahlen machen deutlich: Weniger Inobhutnahmen bedeuten nicht automatisch weniger Belastung für den städtischen Haushalt. Gerade bei Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche hängt viel vom Einzelfall ab. Manche Unterbringungen dauern kurz. Andere brauchen mehr Zeit, mehr Betreuung und damit auch mehr Geld.

Politisch ist das ein sensibles Thema. Denn hinter jeder Inobhutnahme steht kein Kostenfall, sondern ein junger Mensch in einer schwierigen Lage. Gleichzeitig muss eine Stadtvertretung wissen, wie sich solche Ausgaben entwickeln und warum Kosten steigen, obwohl die Zahl der Leistungen sinkt.

Die aktuelle Vorlage liefert einen wichtigen Befund: In Schwerin wurden 2025 deutlich weniger Inobhutnahmen gezählt als im Vorjahr. Teurer wurde dieser Bereich trotzdem.

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Hier kann die Informationsvorlage der Stadtverwaltung eingesehen und heruntergeladen werden:


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Eine Antwort zu „Wenn Kinder sofort Schutz brauchen: Schwerin meldet weniger Inobhutnahmen – doch die Kosten steigen“

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    […] wir im letzten Beitrag berichtet haben, sind die Inobhutnahmen in Schwerin 2025 zwar deutlich zurückgegangen – die […]

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