(stm/red)
An sieben staatlichen Schulen in Schwerin gibt es derzeit kein Anti-Gewalt-Konzept. Das geht aus den schriftlichen Mitteilungen des Oberbürgermeisters zur Sitzung der Stadtvertretung am 11. Mai 2026 hervor. Weitere acht Schulen arbeiten demnach erst an einem solchen Konzept. Nur vier Schulen verfügen bereits über ein vollständiges Anti-Gewalt-Konzept.
Hintergrund ist ein Beschluss der Stadtvertretung vom November 2025. Danach sollte der Oberbürgermeister darauf hinwirken, dass die Schweriner Schulen eigene Konzepte zur Gewaltprävention erarbeiten. Beteiligt werden sollte dabei ausdrücklich auch die Schulsozialarbeit. Ziel war zudem, im Rahmen eines Runden Tisches zu klären, wie die Landeshauptstadt die Schulen konkret bei der Verhinderung von Gewalt unterstützen kann.
Die Verwaltung hat daraufhin alle 24 staatlichen Schulen angeschrieben. Nach einer ersten Anfrage im Januar und einer Erinnerung im Februar lagen bis zur aktuellen Mitteilung Rückmeldungen von 20 Schulen vor. Vier Schulen hatten sich demnach nicht zurückgemeldet.
Die Zahlen zeigen eine deutliche Lücke. Vier Schulen melden ein vollständiges Konzept. Acht Schulen befinden sich in der Erarbeitung. Sieben Schulen haben aktuell keines. Das Sportgymnasium wird gesondert aufgeführt: Dort sei das Thema Gewalt bereits im bestehenden Präventionskonzept verankert. Außerdem gebe es ein enges Kommunikationsnetz zwischen Schule, Internat, Sportbereich und Schulsozialarbeit.
Für Eltern, Schülerinnen und Schüler ist die Frage nicht theoretisch. Gewaltprävention entscheidet sich nicht erst im Ernstfall. Sie beginnt vorher: mit klaren Zuständigkeiten, festen Abläufen, Ansprechpartnern, Meldewegen und Schutzmaßnahmen. Genau solche Strukturen sollen verhindern, dass Betroffene allein gelassen werden oder Schulen erst reagieren, wenn ein Vorfall längst eskaliert ist.
Nach Angaben der Verwaltung sehen die meisten Schulen keinen zusätzlichen Unterstützungsbedarf durch die Landeshauptstadt. Einzelne Schulen baten allerdings um Hilfe bei der Benennung von Fachleuten für Fortbildungen der Lehrkräfte. Die Verwaltung will nun auf die Schulleitungen zugehen.
Bemerkenswert ist der letzte Satz der Mitteilung. Obwohl sieben Schulen kein Anti-Gewalt-Konzept haben, acht weitere noch daran arbeiten und vier Schulen gar nicht geantwortet haben, erklärt die Verwaltung: „Der Beschluss ist hiermit umgesetzt.“
Genau darüber wird zu reden sein. Denn eine Abfrage ist noch kein Schutzkonzept. Und ein Muster des Bildungsministeriums schützt keine Kinder, solange es an Schulen nicht angepasst, beschlossen und im Alltag angewendet wird.
Die Stadtvertretung wollte wissen, wie Gewalt an Schulen verhindert werden kann. Die Antwort der Verwaltung zeigt vor allem: Schwerin hat an mehreren Schulen noch erheblichen Nachholbedarf.
Hier können die aktuellen Mitteilungen der Stadtverwaltung eingesehen und heruntergeladen werden:











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