(stm/KOMMENTAR)
Die Stadt nennt es eine „freiwillige Leistung“. Tatsächlich geht es um Sicherheit am Wasser.
Am Zippendorfer Strand soll die Badeaufsicht nur noch während der Sommerferien gestellt werden. Das geht aus einer Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die PARTEI hervor. Darin begründet die Stadt die verkürzten Bewachungszeiten am Zippendorfer Strand mit stark gestiegenen Kosten und verweist auf Einsparungen von rund 30 Prozent. Einen konkreten Eurobetrag nennt die Verwaltung allerdings nicht.
Das ist genau der Punkt: Hier wird nicht an irgendeinem Luxus gespart. Hier wird an einer Stelle gespart, an der im Ernstfall Sekunden entscheiden können. Zippendorf ist kein versteckter Tümpel, sondern einer der bekanntesten und meistgenutzten Badestellen Schwerins. Wer hier die Wasserrettung reduziert, spart auf Kosten der Sicherheit.
Und ja: Die Stadt mag formal darauf verweisen, dass eine Badeaufsicht an natürlichen Badestellen keine gesetzliche Dauerpflicht ist. Aber Politik besteht nicht nur aus der Frage, was rechtlich gerade noch geht. Politik besteht auch aus Prioritäten. Muss erst wieder ein Kind ertrinken, bevor aus einer „freiwilligen Leistung“ plötzlich doch eine notwendige Aufgabe wird?
Am Zippendorfer Strand starb 2015 ein vierjähriges Mädchen nach einem Badeunfall; damals wurde auch öffentlich über einen nicht besetzten Rettungsturm berichtet.
Natürlich entbindet eine Wasserwacht Eltern und Badegäste nicht von Verantwortung. Aber sie ist eben die zusätzliche Sicherung an einem öffentlichen Badeort. Gerade an heißen Wochenenden außerhalb der Ferien wird der Strand nicht leer bleiben, nur weil im Kalender noch keine Sommerferien stehen.
Gleichzeitig leistet sich Schwerin eine Verwaltungsstruktur mit vier Dezernenten. Keiner davon ist gesetzlich vorgeschrieben – alle vie sind „freiwillig“. Da darf man schon fragen: Wo liegt eigentlich der Fokus? Bei Posten, Strukturen und Zuständigkeiten – oder bei Aufgaben, die für Bürgerinnen und Bürger direkt spürbar sind?
Wenn die Stadt freiwillige Leistungen sortieren muss, dann bitte nach Sinn und Wirkung. Eine Badeaufsicht an einem stark genutzten Strand ist keine nette Zugabe. Sie ist praktische Daseinsvorsorge. Sie beruhigt Familien, hilft bei Notfällen, verhindert im besten Fall Schlimmeres.
Liebe Stadt: Fokus. Nicht jede freiwillige Aufgabe ist gleich wichtig. Aber Wasserrettung am Zippendorfer Strand gehört ganz sicher zu den Aufgaben, bei denen Sparsamkeit sehr schnell nach Verantwortungslosigkeit aussehen kann – auch außerhalb der wenigen Sommerferienwochen.












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