Kein Übergangszentrum fürs Welterbe: Schwerin setzt stattdessen auf QR-Codes, Schilder und Flyer

(stm/red)

Ein kurzfristiges Welterbe-Informationszentrum wird es in Schwerin vorerst nicht geben. Die Stadt sieht keine geeignete Immobilie, verweist auf fehlende Personalkosten und erklärt den entsprechenden Prüfauftrag der Stadtvertretung dennoch für erledigt.

Schwerin hat seit Juli 2024 ein UNESCO-Welterbe. Doch ein zentrales Informations- und Besucherzentrum, an dem Gäste und Einheimische das Residenzensemble gebündelt erleben und verstehen können, bleibt weiter Zukunftsmusik. Das geht aus einer aktuellen Informationsvorlage der Stadt hervor, die der Stadtvertretung vorgelegt wurde.

Die Stadtvertretung hatte den Oberbürgermeister im Mai 2026 beauftragt zu prüfen, welche Immobilien sich als Übergangslösung für ein Welterbeinformations- und Besucherzentrum eignen könnten. Dabei sollten ausdrücklich Gebäude des Residenzensembles betrachtet werden. Das Ergebnis fällt nüchtern aus: Nach Einschätzung der Fachstelle Welterbe gebe es in den Gebäuden des Residenzensembles nahezu keinen Leerstand. Eine Villa in der Werderstraße werde zwar privat zum Verkauf angeboten, die Kaufkosten dürften aber allein im siebenstelligen Bereich liegen. Für eine temporäre Lösung sei das aus Sicht der Verwaltung wirtschaftlich nicht darstellbar.

Hinzu kommt ein zweites Problem: Personal. Jede Innenraumlösung müsste beaufsichtigt werden. Die dafür notwendigen Kosten seien im Haushalt nicht abbildbar. Eine unbeaufsichtigte Lösung wiederum hält die Verwaltung wegen möglicher Schäden am Gebäudebestand und an Ausstellungsstücken nicht für vertretbar.

Bemerkenswert ist die Einordnung der Stadt: Ein Welterbeinformationszentrum sei nach Welterbekonvention und Operational Guidelines keine Pflichtanforderung. Gefordert sei vielmehr, den Welterbegedanken und den außergewöhnlichen universellen Wert des Ensembles angemessen zu vermitteln. Genau hier setzt Schwerin nun vorerst auf kleinere und digitale Lösungen. Die Welterbe-Bestandteile sollen im Sommer 2026 Informationsplaketten mit QR-Codes erhalten. Die Website zum Residenzensemble soll im Zuge der Überarbeitung von schwerin.de als eigenständige URL weiterentwickelt werden. Zudem sind virtuelle Rundgänge geplant, die ab 2026 schrittweise ausgebaut werden sollen.

Im öffentlichen Raum bleibt das 3-D-Stadtmodell am Welterbeplatz die wichtigste Anlaufstelle. Ob dort weitere Informationselemente ergänzt werden, hängt laut Vorlage von der Haushaltslage im Doppelhaushalt 2027/28 ab. Außerdem verweist die Stadt auf den Welterbe-Flyer, der inzwischen in vier Sprachen an touristisch relevanten Orten ausliegt, sowie auf eine mögliche spätere Teilfläche in der Touristinformation. Dort könnten Inhalte zum Welterbe gezeigt werden, ohne zusätzliche Personalkosten auszulösen.

Neu ist außerdem ein Informationsangebot im Schweriner Schloss. Dieses wird seit Juni 2026 durch die Landtagsverwaltung bereitgestellt und wurde unter Einbindung der Fachstelle Welterbe erarbeitet. Zugänglich ist es an Wochenenden und Feiertagen. Zusätzlich soll in einem der nächsten Schlossgespräche zwischen Oberbürgermeister und Landtagsdirektor geklärt werden, ob es auf der Schlossinsel weitere Räume geben könnte, die etwa über den Burggarten erreichbar und für ein frei zugängliches Besucherangebot geeignet wären.

Der Hintergrund ist durchaus sensibel. Das Residenzensemble Schwerin wurde am 27. Juli 2024 vom UNESCO-Welterbekomitee in Neu-Delhi in die Welterbeliste aufgenommen. Die Deutsche UNESCO-Kommission sprach damals von der 54. Welterbestätte Deutschlands; die UNESCO selbst beschreibt das Ensemble als aus 38 Elementen bestehende Architektur- und Landschaftskomposition des Historismus.

Auch die UNESCO-Entscheidung selbst macht deutlich, dass es nicht nur um schöne Plaketten geht. Das Welterbekomitee empfahl unter anderem nachhaltige Maßnahmen zum Tourismusmanagement und zur Steuerung von Besucherströmen. Ein ausdrücklich verpflichtendes Besucherzentrum nennt die Entscheidung zwar nicht. Im ICOMOS-Gutachten zur Bewerbung war jedoch festgehalten worden, dass die Stadt Schwerin die Einrichtung eines Besucherzentrums, neue Beschilderung und eine zweisprachige Website erwäge.

Damit bleibt die politische Frage: Reichen QR-Codes, Flyer, Website und ein Wochenendangebot im Schloss aus, um einem Welterbe von internationalem Rang gerecht zu werden?


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