(stm/red)
Vor einigen Tagen, spät am Abend, begegnete uns L. in Schwerin. Einige Monate war L. unterwegs, hat verschiedene Orte gesehen und Menschen kennengelernt. Nun ist L. zurück in Deutschland – und eigentlich könnte sich gerade eine neue Perspektive ergeben.
In Umland lernte L. Menschen kennen, die in Schwerin eine Wohnung anbieten können. Eine Chance, wieder näher an die eigene Heimat zu kommen und einen festen Platz zu finden. Die Zusage steht noch aus, L. wartet geduldig.
Bis dahin bleibt jedoch nur eine schwierige Zwischenlösung: das Leben auf der Straße.
Der Grund dafür ist ein Problem, das auch andere wohnungslose Menschen in Schwerin betrifft: L. hat einen Hund.
Die üblichen Unterkünfte für Menschen ohne Wohnung nehmen nach Angaben von Betroffenen keine Hunde auf. Dabei sei die Versorgung des Tieres gewährleistet. Essen, gesundheitliche Betreuung und alles Notwendige seien gesichert – der Hund war schließlich auch während der gesamten Reise an der Seite von L.
Gerade deshalb war die Situation überraschend: Obwohl eine Wohnung in Aussicht steht, fehlt bis dahin eine sichere Übergangslösung.
L. ist damit nicht allein. Auch andere Menschen in Schwerin berichten von ähnlichen Erfahrungen. E., Mitte 40, lebte zeitweise ohne feste Unterkunft und wurde ebenfalls abgewiesen, weil ein Hund dazugehört. Nach eigenen Angaben wurde sogar vorgeschlagen, das Tier abzugeben.
Für viele Menschen in schwierigen Lebenssituationen sind Hunde jedoch weit mehr als Haustiere. Sie sind Begleiter, geben Struktur und Halt und können ein wichtiger Anker sein. Wer alles verloren hat, verliert mit einer erzwungenen Trennung vom Tier oft auch einen wichtigen Teil seines sozialen Umfelds.
Natürlich muss das Wohl des Tieres immer gewährleistet sein. Wenn eine Versorgung nicht mehr möglich ist, braucht es Lösungen. Doch ein genereller Ausschluss von Menschen mit Hund aus Hilfsangeboten schafft ein schwieriges Problem: Betroffene müssen zwischen einem sicheren Schlafplatz und ihrem vertrauten Begleiter entscheiden.
Auch eine Unterbringung im Tierheim ist nicht für alle eine realistische Alternative. Zum einen können sich viele Betroffene eine zeitweise Unterbringung finanziell nicht leisten. Zum anderen verfügt das Schweriner Tierheim aufgrund langjähriger struktureller finanzieller Probleme nur über begrenzte Kapazitäten und reduzierte Öffnungszeiten.
Für L. gibt es inzwischen eine vorübergehende Lösung: Sozial engagierte Menschen haben eine Unterkunft angeboten, bis die Wohnungsfrage geklärt ist.
Doch der Fall zeigt ein größeres Problem. Menschen können jederzeit unverschuldet in eine Notlage geraten. Wenn dann ein Tier zum Ausschlusskriterium wird, stehen Betroffene vor einer schwierigen Entscheidung.
Eine dauerhafte Lösung für wohnungslose Menschen mit Hund gibt es in Schwerin derzeit offenbar nicht.















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