Wahlanalyse Schwerin. Alle Daten, Zahlen und Ergebnisse

(red)

Mecklenburg-Vorpommern hat gewählt – und das Ergebnis bricht die bisherige Ordnung des Landes auf: Die AfD wird mit 38,2 Prozent erstmals stärkste Kraft bei einer Landtagswahl, vor der SPD mit 35,5 Prozent. Die AfD stellt künftig 32 der 71 Sitze im Landtag, 18 mehr als bisher. CDU (4,9 Prozent), BSW (4,8) und FDP (1,0) verfehlen die Fünf-Prozent-Hürde und fliegen aus dem Landtag; Linke (6,5) und Grüne (5,7) schaffen es knapp wieder rein – mit zusammen nur zehn Sitzen. Eine Mehrheit von 36 Sitzen hat damit keine Partei; rechnerisch möglich wäre etwa eine Koalition aus SPD, Linker und Grünen mit 39 Sitzen. Die Regierungsbildung ist vollkommen offen, aber im Grunde erwartbar.

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Schwerin hält die SPD oben – aber das Muster des Landes zieht ein

In der Landeshauptstadt sieht das Bild auf den ersten Blick anders aus: Hier kommt die SPD auf 38,7 Prozent der Zweitstimmen, die AfD auf 29,7. Dahinter: Grüne (9,0), Linke (7,9), CDU (6,0), BSW (4,7), FDP (0,9). Die Wahlbeteiligung lag mit 78,1 Prozent auffällig hoch – im Wahlkreis Schwerin I sogar bei 80,7 Prozent.

Doch der Schein trügt nach hinten raus. Der Wahlabend in Schwerin ist vor allem eine Geschichte der AfD: Im Wahlkreis Schwerin I legte sie bei den Zweitstimmen um 14,9 Punkte zu, in Schwerin II um 19,6 Punkte – niemand gewann in dieser Stadt so viel dazu. Die SPD dagegen verlor in Schwerin II 3,8 Punkte und hielt nur in Schwerin I leicht darüber (plus 2,6). Die Stadt bleibt eine SPD-Hochburg – aber sie ist es zunehmend nur noch zur Hälfte.

Beide Direktmandate gingen gleichwohl an die SPD: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig holte in Schwerin I überragende 54,4 Prozent der Erststimmen (plus 8,0 gegenüber 2021), Mandy Pfeifer verteidigte Schwerin II mit 43,2 Prozent. Doch der Abstand schrumpft dramatisch: Petra Federau (AfD) liegt in Schwerin II nur noch 6,4 Punkte hinter der SPD.

Landtagswahl 2026 Schwerin – Analyse aller Wahllokale

30 zu 25: Die Wahlkarte einer geteilten Stadt

Die eigentliche Geschichte steht in den Bezirksergebnissen, die die Stadtverwaltung je Wahllokal veröffentlicht. Wer alle 55 Urnenwahlbezirke einzeln auswertet, findet zwei Städte in einer:

Die SPD gewinnt 30 Wahllokale, die AfD 25. Die Grenze verläuft fast wie auf der Landkarte: Die AfD räumt in den Großwohnsiedlungen am Stadtrand ab – mit allen vier Lokalen im Mueßer Holz (dort zwischen 49,7 und 55,1 Prozent), allen vier Krebsförden-Lokalen, drei von vier Lokalen auf dem Großen Dreesch, in Görries und Neu Zippendorf II. In drei Mueßer-Holz-Lokalen holte sie absolute Mehrheiten – Spitzenreiter ist Mueßer Holz IV mit 55,1 Prozent.

Aber die AfD ist keine reine Plattenbau-Partei mehr: Sie gewinnt mit Warnitz auch den Lokalbezirk mit Dorfcharakter und höchster Beteiligung unter den größeren Ortsteilen, dazu Feldstadt II – und mitten in der Stadt Paulsstadt I, Weststadt I, III, V und VI, Neumühle I sowie vier der fünf Lankow-Lokale.

Die SPD hält die Innenstadt und die Altbauquartiere: die komplette Werdervorstadt, die ganze Schelfstadt, beide Altstadt-Lokale, fast die gesamte Paulsstadt, dazu Ostorf, beide Gartenstädte und – mit ihrem besten Stadtergebnis von 48,2 Prozent – Zippendorf.

Zwei Stimmen Vorsprung: Die dramatischsten Rennen der Stadt

Wie eng die Stadt zwischen den Lagern liegt, zeigen die Einzelergebnisse: In Weststadt II behielt die SPD mit 323 zu 321 Zweitstimmen die Nase vorn – zwei Stimmen Vorsprung. In Weststadt VI gewann die AfD mit vier Stimmen, in Neumühle I mit sechs. Ein paar Dutzend Umzüge, ein paar Dutzend Überzeugungen – und die Karte sähe anders aus.

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Schwesig verliert Lankow an die AfD

Eine der vielleicht bemerkenswertesten Einzelheiten dieser Wahl: In Lankow I und Lankow V holte AfD-Spitzenkandidat Leif-Erik Holm mehr Erststimmen als Manuela Schwesig – 46,5 zu 40,5 Prozent beziehungsweise 45,3 zu 44,0. In 32 der 34 Wahllokale ihres Wahlkreises gewinnt die Ministerpräsidentin die Erststimmen – nur nicht in diesen beiden Lankow-Lokalen, ausgerechnet in einem Stadtteil, der einst zu ihren Hochburgen zählte.

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Wo weinger gewählt wird, gewinnt die AfD

Das Beteiligungs-Gefälle erzählt die zweite Geschichte der Wahl. Stadtweit wählten 78,1 Prozent – doch in den Wahllokalen waren es im Schnitt nur 54,1 Prozent, denn fast ein Drittel aller Stimmen (30,8 Prozent) kam per Brief. Die Spanne reicht von 66,1 Prozent in Wickendorf bis zu 47,0 Prozent in Mueßer Holz IV.

Und hier schließt sich der Kreis: Die Lokale mit den niedrigsten Beteiligungen sind genau diejenigen, in denen die AfD ihre Spitzenwerte erzielt. In den vier Mueßer-Holz-Lokalen wählten zwischen 47,0 und 52,4 Prozent – und die AfD lag zwischen 49,7 und 55,1 Prozent. Das ist keine Kausalität, aber ein auffälliges Muster: In den Quartieren, in denen sich das wenigste politische Engagement zeigt, erreicht die Partei ihre höchsten Werte.

Auch die Briefwahl spricht diese Sprache: Per Brief wählte die SPD 44,5 Prozent, in den Wahllokalen nur 36,1. Die AfD erreichte per Briefwahlauswertung 16,4 Prozent – vor Ort aber 35,6. Ein Abstand von rund 19 Punkten, größer als bei jeder anderen Partei. Wer in Schwerin per Brief wählt, hat im Schnitt schlicht eine andere Wahl gemacht als jemand, der persönlich ins Wahllokal geht.

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Kleine Parteien: Grüne stark in der Schelfstadt, CDU im freien Fall

Die Grünen bleiben mit 9,0 Prozent die dritte Kraft der Stadt – getragen von der Schelfstadt, wo sie in allen drei Wahllokalen über 20 Prozent der Zweitstimmen holten (Spitzenwert: 25,7 Prozent in Schelfstadt III). Im Wahlkreis Schwerin II hingegen kamen sie nur auf 4,8 Prozent. Die Linke hielt sich in Schwerin mit 7,9 Prozent deutlich besser als landesweit (6,5) – ihr bestes Lokal: Feldstadt I mit 12,0 Prozent.

Die CDU stürzte in Schwerin auf 6,0 Prozent ab – im Wahlkreis I von 12,1 auf 6,5 Prozent. Im besten Fall, in Ostorf II, reichte es noch für 13,6 Prozent; in zwölf der 55 Wahllokale kam die Partei nicht einmal auf drei Prozent. Das BSW scheiterte mit 4,7 Prozent hauchdünn an der Fünf-Prozent-Hürde – auch landesweit (4,8) zieht die Partei nicht ein. Die FDP zerfiel mit 0,9 Prozent endgültig.

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Die Zahlen dieser Auswertung sind vorläufige Ergebnisse des Wahlabends; das Endergebnis stellt der Wahlausschuss fest.


Schwerin in Zahlen (Zweitstimmen, vorläufig)

ParteiErgebnisWahllokale*
SPD38,7 %30 Siege
AfD29,7 %25 Siege
Grüne9,0 %
Linke7,9 %
CDU6,0 %
BSW4,7 %
FDP0,9 %

*Zweitstimmen-Sieger in 55 Urnenwahlbezirken. Wahlberechtigte: 76.332 · Wähler: 59.620 (78,1 %) · davon Briefwahl: 18.342 Stimmen (30,8 %)

Direktmandate: Schwerin I: Manuela Schwesig (SPD) 54,4 % – Leif-Erik Holm (AfD) 28,2 % · Schwerin II: Mandy Pfeifer (SPD) 43,2 % – Petra Federau (AfD) 36,8 %

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Eine Antwort zu „Wahlanalyse Schwerin. Alle Daten, Zahlen und Ergebnisse“

  1. Avatar von Lück

    Frau Schwesig hat sich voll ins Zeug gelegt und das Schlimmste verhindert. Jetzt muss sie noch eine Koalition schmieden, die Politik für die Menschen macht. Dann könnte MVP zum Muster-Ländle werden. Viel Erfolg.

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