20. CSD in Schwerin: Warum dieser Tag auch für jene wichtig ist, die mit Regenbogenfahnen wenig anfangen können

(red/stm)

Rund 1.100 Menschen sind am Sonnabend beim 20. Christopher Street Day bei leicht regnerischen Wetter durch Schwerin gezogen. Unter dem Motto „Vielfalt braucht Demokratie!“ setzten sie ein Zeichen für die Rechte queerer Menschen, für Sichtbarkeit und gegen Ausgrenzung. Schirmherrin war Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

Man kann über CSDs unterschiedlicher Meinung sein. Nicht jeder muss laute Musik mögen, nicht jeder fühlt sich von bunten Demonstrationen angesprochen, nicht jeder teilt jeden politischen Slogan. Aber genau darin liegt vielleicht der eigentliche Punkt dieses Tages: Eine freie wirklich Gesellschaft zeigt sich nicht dadurch, dass alle dasselbe gut finden. Sie zeigt sich daran, dass Menschen sichtbar sein können, ohne dafür beschimpft, bedroht oder angegriffen zu werden.

Schwesig brachte diesen Gedanken in ihrer Rede deutlich auf den Punkt. „Eine Demokratie ist nur so stark wie wir alle zusammen. Queere Menschen haben daran genauso ihren Anteil wie alle anderen“, sagte die SPD-Politikerin. Dass queere Menschen heute offener leben können als noch vor einigen Jahrzehnten, sei keine Selbstverständlichkeit, sondern das Ergebnis von Mut, Engagement und gesellschaftlichem Wandel.

Gerade deshalb ist der CSD mehr als eine bunte Parade. Er ist auch ein Gradmesser dafür, wie belastbar Toleranz wirklich ist. Denn Toleranz beginnt nicht dort, wo einem alles gefällt. Sie beginnt dort, wo man akzeptiert, dass andere Menschen anders leben, anders lieben oder anders auftreten – und trotzdem denselben Respekt verdienen.

Schwesig warnte zugleich vor einer Entwicklung, die längst nicht mehr abstrakt ist. Minderheiten seien ein „Frühwarnsystem der Demokratie“, sagte sie. Wenn Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung Hass und Hetze ausgesetzt sind, wenn sie auf dem Weg zum CSD angepöbelt, bedroht oder angegriffen werden, dann ist das kein Spezialproblem einer einzelnen Gruppe. Dann betrifft es die Gesellschaft insgesamt.

Die Zahlen geben dieser Warnung Gewicht. In Mecklenburg-Vorpommern wurden 2025 nach Angaben des Landeskriminalamtes 56 queerfeindliche Straftaten registriert. 2024 waren es 41, 2023 noch 14. Nicht jede Beleidigung, nicht jede Bedrohung und nicht jeder Angriff wird angezeigt. Die offiziellen Zahlen zeigen also nur das Hellfeld.

Genau deshalb bleibt der CSD notwendig. Nicht, weil alle ihn mögen müssen. Nicht, weil jeder mitfeiern muss. Sondern weil eine Stadt zeigen sollte, dass Menschen hier keine Angst haben müssen, wenn sie so sind, wie sie sind.

Schwerin hat am Sonnabend ein solches Zeichen gesetzt. Sichtbar, vergleichsweise klein, laut, friedlich und demokratisch. Und vielleicht ist das die Botschaft, auf die sich auch viele einigen können, die dem CSD sonst eher skeptisch gegenüberstehen: Gut, dass Menschen in dieser Stadt für ihre Rechte auf die Straße gehen können. Gut, dass sie dabei nicht allein sind.


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