Strandhotel Zippendorf: Vom Ausflugsziel zum Lost Place

(stm/red)

Mehr als 100 Jahre Geschichte liegen hinter dem ehemaligen Strandhotel in Zippendorf. Heute steht das denkmalgeschützte Gebäude leer, ist abgesperrt und verfällt. Seit mehr als 20 Jahren wartet das Haus auf eine neue Zukunft. Nun steht erneut die Frage im Raum: Sanierung oder Abriss?

Wer heute am Zippendorfer Strand entlanggeht, sieht ein Gebäude, das kaum noch etwas von seiner früheren Bedeutung erahnen lässt. Eingeschlagene Scheiben, bröckelnde Fassaden und ein Bauzaun prägen das Bild. Dabei war das Strandhotel über Jahrzehnte eine der bekannten Adressen am Schweriner See.

Die Geschichte des Hauses reicht sogar noch weiter zurück. Bereits 1858 gab es an dieser Stelle ein Gasthaus mit Bootsanlegestelle. Zippendorf war damals längst ein beliebtes Ausflugsziel vor den Toren Schwerins. 1909 brannte das Gasthaus ab. An gleicher Stelle entstand das heutige Strandhotel, das 1910 eröffnet wurde. Es verfügte über 32 Zimmer, Balkone, Salons und große Terrassen mit Blick auf den See. Eine kleine Seebrücke führte vom Hotel hinaus aufs Wasser, im Park gab es einen Konzertpavillon.

Zippendorf entwickelte sich zu einem Ausflugs- und Ferienziel. 1921 wurde die Straßenbahn bis nach Zippendorf verlängert. 1925 entstand der künstlich aufgeschüttete Sandstrand, der später noch mehrfach vergrößert wurde. Der erste Strand wurde sogar aus Spenden Schweriner Bürger finanziert.

Auch wirtschaftlich war die Geschichte des Hotels keineswegs geradlinig. Nach dem Ersten Weltkrieg mussten die Eigentümer verkaufen. 1931 folgte die Zwangsversteigerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus zunächst als Hilfskrankenhaus genutzt. Ab 1951 übernahm die staatliche Handelsorganisation HO das Gebäude und betrieb es als „Hotel am Strand“.

In der DDR blieb das Strandhotel ein beliebtes Ferienziel. Auch nach der Wende kehrte noch einmal Leben in das Gebäude zurück. Nach einem Umbau wurde die Zahl der Zimmer reduziert, dafür entstanden ein größerer Restaurant- und Veranstaltungsbereich. Besonders bekannt waren die Nachtbar und die Sommerpartys. Zu den Gästen gehörten auch Prominente wie Vitali und Wladimir Klitschko. 2005 wurde im Gebäude sogar für einen „Polizeiruf 110“ gedreht.

2004 war schließlich Schluss. Seitdem hat das Haus keinen dauerhaften Hotelbetrieb mehr erlebt. Es folgten Eigentümerwechsel, verschiedene Nutzungsideen und immer neue Verzögerungen. Sanierung, Hotelbetrieb, Gastronomie, Ferienwohnungen – vieles wurde diskutiert, wenig umgesetzt.

2022 stellte der damalige Eigentümer ein Konzept für ein „Strandresort Zippendorf“ vor. Die Stadt wollte dafür den Bebauungsplan ändern. Vorgesehen waren unter anderem Ferienwohnungen und gastronomische Nutzungen.

Heute ist das Strandhotel selbst zum Problemfall geworden. Im Januar 2026 wurde ein neuer Antrag auf Rückbau beziehungsweise Abbruch gestellt. Dazu liegt der Stadt ein rund 800 Seiten umfassendes Gutachten vor, das den Abriss als alternativlos bewertet. Eine Abrissgenehmigung gibt es allerdings nicht. Die Stadtverwaltung und die Denkmalschutzbehörden sahen bei einer ersten Prüfung keine Anhaltspunkte, die für eine Genehmigung sprechen. Das Verfahren läuft.

Damit steht das Strandhotel an einem entscheidenden Punkt seiner langen Geschichte. Mehr als ein Jahrhundert lang gehörte das Gebäude zum Bild von Zippendorf. Heute steht es hinter einem Zaun. Ob am Ende eine Sanierung gelingt oder tatsächlich die Abrissbirne kommt, ist noch nicht entschieden.

Fest steht nur: Aus dem einstigen Strandhotel, das auf Ansichtskarten als gute Adresse für die Sommerfrische beworben wurde, ist nach mehr als 20 Jahren Leerstand einer der bekanntesten Lost Places Schwerins geworden.

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