(stm/ red/ Schwerin)
Rund 150 Menschen versammelten sich am Dienstagabend auf dem Schweriner Markt zum Weltfriedenstag. Aufgerufen hatte das Schweriner Friedensbündnis. Unter den Teilnehmern waren unter anderem Anhänger und Vertreter von KPD, DKP, Linke und BSW zu sehen. Auch einzelne Kommunalpolitiker hielten sich am Rand der Kundgebung auf. Es gab Musikbeiträge und Reden.
Hauptredner war Reiner Braun, ein langjähriger Aktivist der deutschen und internationalen Friedensbewegung. Der Historiker und Journalist war unter anderem Geschäftsführer mehrerer friedenspolitischer Organisationen und von 2013 bis 2019 Co-Präsident des International Peace Bureau (IPB). Seit 2025 gehört er wieder dessen Vorstand an. Das 1891 gegründete IPB ist ein internationales Friedens- und Abrüstungsnetzwerk und erhielt 1910 den Friedensnobelpreis. Braun ist innerhalb der Friedensbewegung allerdings nicht unumstritten. Seine Rolle beim sogenannten „Friedenswinter“ und seine Unterstützung einer Zusammenarbeit mit den damaligen Montagsmahnwachen sorgten in der Vergangenheit für Kritik.
In seiner Rede schlug Braun einen Bogen vom deutschen Überfall auf Polen 1939 zur aktuellen Weltpolitik. Die damalige NS-Behauptung eines polnischen Angriffs sei eine Lüge gewesen. Auch heute werde die Bevölkerung mit Lügen auf einen Krieg vorbereitet. Die Darstellung Russlands als Bedrohung für Deutschland bezeichnete Braun als Teil dieser politischen Erzählung. Deutschland werde damit „kriegstüchtig“ gemacht. Seine Forderung: „Wir müssen mit Russland reden.“ Es gebe „keine Alternative zum Gespräch“ und keine Alternative zu einer „Gemeinsamkeit mit Russland“.
Scharf kritisierte Braun die NATO, Waffenlieferungen und die Bundesregierung. Die NATO sei Russland militärisch „3 bis 5 mal“ überlegen. Einen direkten Krieg zwischen Russland und Europa hält Braun für hochgefährlich und warnte vor einem schnellen Übergang zu einem Atomkrieg. „Europa ist zu Ende“, sagte er für diesen Fall. Auch eine europäische Atomwaffenstrategie lehnte er ab.
Daneben griff Braun Bundeskanzler Friedrich Merz und die deutsche Aufrüstungspolitik an. Geld für Rüstung fehle bei Schulen, Universitäten und Infrastruktur. Das Argument, die Rüstungsindustrie schaffe Arbeitsplätze, wies er zurück und bezeichnete Rüstungsproduktion als „Unsinnsproduktion“. Auch die geplante Rückkehr beziehungsweise Ausweitung der Wehrpflicht kritisierte Braun und rief dazu auf, entsprechende Proteste zu unterstützen.
Auffällig war die Verteilung der Kritik: Während NATO, Bundesregierung, westliche Medien und die deutsche Aufrüstungspolitik scharf angegriffen wurden, gab es in der Rede praktisch keine Kritik an Russland, der russischen Regierung oder Wladimir Putin. Der russische Angriff auf die Ukraine wurde nicht als eigener Kritikpunkt thematisiert. Russland erschien vielmehr als notwendiger Gesprächspartner und Teil einer möglichen Friedensordnung.
Als Gegenmodell zur westlichen Politik verwies Braun auf den Globalen Süden, die Shanghai Cooperation Organisation sowie Staaten wie Brasilien, Mexiko und die Afrikanische Union. Die Kräfte für den Frieden würden weltweit stärker. Auch zu Protesten gegen die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO in Münster rief Braun auf.
Zum Ende stellte sich Braun in die Tradition historischer Kriegsgegner und warb für weitere Aktionen der Friedensbewegung. Seine Botschaft an die Zuhörer: Die Friedensbewegung sei zwar noch zu schwach, könne aber gemeinsam mit internationalen Partnern einen großen Krieg verhindern. „Wir können den Dritten Weltkrieg verhindern“, sagte Braun. Seine Schlussformel: „Frieden ist die Ultima Ratio. Krieg ist die Ultima Irration.“
Nach der Rede wurde für die Aktion „1 Million Stimmen für den Frieden“ geworben. Nach Angaben der Veranstalter seien aus Schwerin bereits rund 1.400 Unterschriften zusammengekommen. Außerdem wurde um Spenden für weitere Aktivitäten gebeten.

Die Rede als Transkript kann hier eingesehen und heruntergeladen werden:














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