49 Millionen Euro für fünf Minuten: Schwerins umstrittene Südanbindung nimmt Fahrt auf

(stm/red) Jetzt wird es ernst mit dem umstrittenen Autobahnzubringer Schwerin-Süd. Die Stadt hat das Planfeststellungsverfahren beantragt. Ab dem 15. September liegen die Unterlagen öffentlich aus.

Die Idee ist nicht neu: Der Industriepark Schwerin-Süd soll eine direkte Verbindung zur A14 bekommen. Nach Jahren der Planung geht das Projekt jetzt in das entscheidende Genehmigungsverfahren. Vom 15. September bis zum 16. Oktober 2026 können die Planunterlagen im Stadthaus am Packhof eingesehen werden. Wer vom Vorhaben betroffen ist, kann Einwendungen erheben.

Dass die Südanbindung nun in die Planfeststellung geht, bedeutet allerdings nicht, dass der Streit beendet wäre. Im Gegenteil. Seit Jahren gibt es Kritik an dem Vorhaben – wegen der Kosten, wegen des Eingriffs in Wald und Landschaft und vor allem wegen der Frage, ob der Nutzen tatsächlich in einem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand steht.

Die Zahlen liefern dafür reichlich Stoff. Die inzwischen genannte Kostengröße liegt bei knapp 50 Millionen Euro. Nach Angaben aus der politischen Debatte sind rund 40 Hektar Wald betroffen. Gleichzeitig geht es bei der erwarteten Zeitersparnis laut einer Antwort der Landesregierung um gerade einmal rund fünf Minuten. Kritiker halten deshalb die Frage für berechtigt, ob für diesen vergleichsweise geringen Zeitgewinn tatsächlich ein derart großer Eingriff und diese Investition notwendig sind.

Auch beim Verkehrsaufkommen gibt es Streit. Kritiker haben wiederholt bemängelt, dass der tatsächliche Bedarf für eine eigene Autobahnanbindung nicht ausreichend belegt sei. Selbst aus der Wirtschaft kamen Zweifel am Nutzen. Die Befürworter argumentieren dagegen mit dem Wachstum des Industrieparks, zusätzlichen Gewerbeflächen und der Bedeutung einer leistungsfähigen Verbindung für die dort ansässigen Unternehmen. Für die Stadt ist die Südanbindung vor allem ein Infrastrukturprojekt für den Wirtschaftsstandort.

Damit prallen zwei ziemlich unterschiedliche Sichtweisen aufeinander. Auf der einen Seite steht der Anspruch, Schwerin-Süd besser an das überregionale Verkehrsnetz anzubinden und den Industriestandort weiterzuentwickeln. Auf der anderen Seite stehen fast 50 Millionen Euro, erhebliche Eingriffe in Wald und Landschaft und die Frage, wie viel zusätzlicher Verkehr die neue Straße tatsächlich aufnehmen wird.

Jetzt müssen die Planunterlagen zeigen, was von den bisherigen politischen Versprechen und Befürchtungen übrig bleibt. Wie genau die Trasse verläuft, welche Grundstücke betroffen sind, welche Flächen tatsächlich verloren gehen, welche Verkehrsmenge erwartet wird und wie die Eingriffe ausgeglichen werden sollen, wird sich mit der öffentlichen Auslegung erstmals umfassend nachvollziehen lassen.

Die Südanbindung ist damit längst keine abstrakte Planung mehr. Sie liegt jetzt auf dem Tisch – und damit auch die unangenehme Frage, ob fast 50 Millionen Euro und erhebliche Eingriffe in die Landschaft tatsächlich durch den erwarteten Nutzen gerechtfertigt werden können.

Wer sich selbst ein Bild machen will, kann die Unterlagen ab dem 15. September im Stadthaus einsehen. Dann geht es nicht mehr um politische Schlagworte, sondern um die konkrete Planung.


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