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(stm) Am 6. August machte das Einwohnermeldeamt alles richtig. Wer in Schwerin bei der Landtagswahl zum ersten Mal wählen durfte, dessen Namen und Anschriften gingen an das AfD-Landesbüro – rund 5.385 Datensätze, sauber verpackt und verschlüsselt. Wer die Datei ohne Kennwort öffnete, sah nur Zeichensalat.
Dann kam die zweite Mail. Am selben Tag, vom selben Amt, an dieselbe Adresse: buero@afd-mv.de. Betreff: „Passwort Gruppenauskunft Erstwähler LTW 2026“. Inhalt: der Schlüssel zu dem Tresor, der Minuten vorher noch so brav verschlossen war.
Der Tresor fuhr mit dem Schlüssel mit
Verschlüsselung ist eine feine Erfindung, aber sie lebt von der Trennung: Die Datei darf jeden Weg entlang, das Kennwort gehört auf einen anderen – telefonisch, per Brief, notfalls per Fax in die Parteizentrale. Wer Tresor und Schlüssel durch dieselbe Tür schickt, hat am Ende einen sehr schweren Karton, in dem das Schloss offensteht.
Ausgerechnet das ist passiert. Wenige Wochen später drangen Unbekannte in die Postfächer der AfD ein, zogen 281 Gigabyte Korrespondenz und stellten alles online – inklusive der Schweriner Passwort-Mail. Was die Stadt mit der Verschlüsselung schützen wollte, liegt seither neben dem Passwort in ein und demselben Datenberg. Die (nicht) Sorgfalt der Stadtverwaltung hat genau das nicht verhindert, wofür sie gedacht war.
Das Einwohnermeldeamt der Landeshauptstadt ist dabei in bester Gesellschaft: Rostock legte das Kennwort „AfD2026“ fest, Grimmen wählte „EMA2026“, Ludwigslust schickte sein Passwort schlicht im Klartext mit. Datentheater mit durchhängendem Vorhang, im ganzen Land.
Ob die Stadtverwaltung aus dem Vorgang Konsequenzen zieht – etwa künftig Kennwörter nur noch auf getrenntem Weg zu übermitteln –, ist offen.
Und ob die Stadt hier rechtliche Konsequenzen zu erwarten hat, ist ebenfalls abzuwarten.
Die Belege: Primär-UID 6085ffb6ec5e4ea3abbfa010dc698b63@SCHWERIN.DE (Anschriften-Übergabe, 6. August) und 6422e7cb756b459790b69beff51ef5a9@SCHWERIN.DE (Passwort-Mail, 6. August), beide im AfD-Leak-Archiv. Zunächst berichtet hierzu unsere Recherche zu den Erstwähler-Daten.
Lesen Sie dazu auch gerne: AfD-Leak: 5.385 Erstwähler-Adressen aus Schwerin liegen im Netz und Schwerins Bürgerdaten – wer kauft sie, zu welchem Preis?
Beitragsbild: Das Stadthaus am Hauptbahnhof, Sitz der Schweriner Stadtverwaltung. Foto: Gerd Fahrenhorst (CC BY 4.0), via Wikimedia Commons. (red)

















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