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(red) Wer heute durch Crivitz fährt, denkt an Burg, See und Mecklenburger Idylle. Nicht an Weinberge. Dabei wuchsen bei Crivitz einst Reben, mit Förderern der höchsten Sorte: den Großherzögen im Schweriner Schloss. Am Ende blieb ein Spottgedicht. Crivitz hatte mal einen Weinberg, doch der Wein blieb eher grün als reif.
Mecklenburg galt nie als Weinland. Sternberg, Plau am See und auch Schwerin versuchten sich trotzdem am Rebanbau. Alle Versuche blieben erfolglos. Getrunken wurde in Crivitz vor allem Würzwein, mit Honig gesüßt.
Der Wein des Nordens kommt heute woanders her. Seit 2004 ist das Stargarder Land um Schloss Rattey bei Neubrandenburg offiziell anerkanntes Anbaugebiet, das nördlichste Deutschlands. Dort steht das größte Weingut im Norden der Republik.
Und Schwerin? Schwerin versucht es wieder. Auf der Halbinsel Krösnitz wachsen seit 2019 rund 2.000 Reben, 2021 kam die Genehmigung. 2023 fraßen Stare die ganze Ernte. Anfang 2026 wurden dann die ersten 600 Flaschen Solaris abgefüllt. Die Fotos dazu lieferte maxpress. Mit dabei war auch der heutige Oberbürgermeister Sebastian Ehlers, der den Krösnitzer Wein gern in die Welterbevermarktung einbinden würde. Zwei Berichte dazu finden sich bei Schwerin Lokal.
Und nun das Weingut. An der Dwang-Brücke sollen 2.000 weitere Reben dazukommen und ein Gebäude mit Weinproduktion, Gastronomie und Ferienwohnungen entstehen. 4.000 Quadratmeter städtisches Land, vergeben über eine Erbpacht von mindestens 60 Jahren, 7.720 Euro im Jahr. Das Konzept sagt selbst: Ohne öffentliche Fördermittel geht es nicht. Die sind bereits beantragt.
Und überhaupt: Weinbau in Schwerin. Warum nicht gleich Bananen? Beides gab es in dieser Region schon. Zu den Bananen ein anderes Mal mehr.
Der Haken ist das Baurecht. Im Flächennutzungsplan steht für die Fläche Gemeinbedarf, genauer Sportplätze und Vereinsgebäude. Ein Baseball-Club und ein Schützenverein haben dort ihre Anlagen. Die Verwaltung schreibt, das Grundstück liege im Außenbereich nach Paragraf 35 Baubaugesetzbuch, der eigentlich von Bebauung freizuhalten ist, sieht aber eine Chance, wenn Wasser, Abwasser, Löschwasser und Verkehr gesichert sind. Über das Ganze soll der Hauptausschuss an diesem Dienstag beraten. Nicht öffentlich.
Man kann das als Aufbruch erzählen. Man kann auch genauer hinsehen. Ein Projekt, das öffentliches Land, eine 60-jährige Erbpacht und Fördergeld braucht und nichtöffentlich beraten wird, ist keine Weinromantik. Es ist eine Wirtschaftsfrage mit öffentlichem Geld. Die Geschichte von Crivitz ist kein Beweis, dass es diesmal scheitert. Aber sie ist ein Grund, genau hinzusehen, bevor erzählt wird, Schwerin sei ein Weinland.
Für Dienstag bleiben drei Fragen. Was kostet das Projekt die Stadt am Ende? Wer trägt das Risiko, wenn der Wein nicht läuft? Und warum wird über 60 Jahre städtisches Land hinter verschlossenen Türen entschieden? Diese Fragen brauchen keine Verkostung. Sie brauchen eine Debatte.
Lesen Sie dazu auch gerne: Kaninchenwerder: Die Stadt antwortet der Petition mit dreimal Nein, über den zweiten Fall, in dem öffentliches Gut in private Hand wandert.
Quellen: Historische Reihe der Straßenzeitung zum Weinanbau bei Crivitz; Schwerin Lokal (26. März 2026 und 26. Oktober 2026); Berichterstattung zum Stargarder Land und Schloss Rattey. Beitragsbild: Weißer und roter Wein des Weinguts Schloss Rattey vor dem Fasskeller. Foto: Stefanmschmidt (CC BY-SA 4.0), via Wikimedia Commons.
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