Altkleidercontainer in Schwerin: 71 Behälter – aber die Stadt kennt den tatsächlichen Bedarf noch nicht

(stm/red)

Seit Anfang 2025 müssen Alttextilien getrennt gesammelt werden. In Schwerin stehen dafür derzeit 71 Altkleidercontainer bereit. Ob das reicht, kann die Verwaltung allerdings noch nicht sagen. Gleichzeitig nehmen Nebenablagerungen offenbar deutlich zu.

Schwerin hat derzeit 71 Altkleidercontainer im Stadtgebiet. Das geht aus einer aktuellen Informationsvorlage der Verwaltung an die Stadtvertretung hervor. Der Bericht war im März von der Stadtvertretung angefordert worden und sollte klären, wo Container stehen, wer sie betreibt, wie sie über das Stadtgebiet verteilt sind und ob die vorhandenen Kapazitäten für die seit Januar 2025 geltende Pflicht zur getrennten Sammlung von Alttextilien ausreichen.

Der größte Teil der Sammelbehälter wird inzwischen von der SAS betreut. Nach Angaben der Verwaltung sind es 59 Container. Weitere drei Container unterhält der Arbeitslosenverband Schwerin e. V., neun Sammelbehälter betreut die Zukunftswerkstatt Schwerin e. V. Zusätzlich verweist die Stadt auf Abgabemöglichkeiten an Recyclinghöfen sowie in Kleiderkammern des DRK, des Arbeitslosenverbandes und der Schweriner Kleiderkammer.

Hintergrund ist eine deutliche Veränderung bei der Altkleidersammlung. Die bisherige Kooperation der Landeshauptstadt mit dem DRK-Kreisverband Schwerin und dem Diakoniewerk Kloster Dobbertin beziehungsweise den Dobbertiner Werkstätten konnte nach Darstellung der Verwaltung wegen der angespannten Lage auf dem Verwertungssektor nicht weitergeführt werden. Die Leerung bestehender Container dieser gemeinnützigen Sammler wurde deshalb schrittweise von der SAS übernommen: bei den Dobbertiner Werkstätten ab dem 1. Mai 2026, beim DRK ab dem 1. Juni 2026.

Die Verteilung der Container ist grundsätzlich stadtweit angelegt. Besonders viele Behälter stehen laut Anlage in der Weststadt mit zehn Containern, in Ostorf/Gartenstadt mit neun sowie in Lankow, Großer Dreesch, Neu Zippendorf und der Werdervorstadt mit jeweils sechs Containern. Kleinere Stadtteile wie Mueß oder Mueßer Holz sind dagegen nur mit je einem Standort in der Übersicht vertreten. Die Anlage führt unter anderem Standorte an der Brunnenstraße, Theaterstraße, Ratzeburger Straße, Greifswalder Straße, Hamburger Allee, Hagenower Straße, Ziegelseestraße und Johannes-Brahm-Straße auf.

Die eigentlich entscheidende Frage bleibt jedoch offen: Reichen diese Kapazitäten aus? Dazu kann die Stadt derzeit noch keine belastbare Einschätzung abgeben. Begründet wird das damit, dass die SAS erst seit dem 1. Juni 2026 vertraglich mit der Entsorgung der Altkleider in Schwerin betraut ist. Aussagekräftige Zahlen zu Mengen und Qualität der gesammelten Wertstoffe lägen deshalb noch nicht vor. Erst im weiteren Verlauf könne bewertet werden, ob zusätzliche Container oder andere Sammelsysteme benötigt werden.

Gleichzeitig beschreibt die Verwaltung bereits jetzt ein Problem: Die Zahl der Nebenablagerungen im Bereich der Altkleidersammlung sei „sprunghaft angestiegen“. Zudem sei die Qualität der entsorgten Mehrmengen zum Teil so schlecht, dass eine weitere Verwendung kaum möglich sei. Als mögliche Ursache nennt die Stadt auch Bürgerinnen und Bürger aus angrenzenden Landkreisen, weil dort Altkleider teilweise nur noch an Recyclinghöfen angenommen würden. Ausschließen könne man aber auch andere Faktoren, etwa gezielte Entsorgungen durch Außenstehende, derzeit nicht.

Damit zeigt der Bericht vor allem eines: Schwerin verfügt zwar über ein sichtbares Netz an Altkleidercontainern, doch die neue Sammelpflicht trifft auf einen Markt, der unter Druck steht. Ob 71 Container tatsächlich ausreichen, um eine bürgerfreundliche und flächendeckende Sammlung sicherzustellen, bleibt vorerst ungeklärt. Die Stadt verweist darauf, dass an der Lösung der aktuellen Probleme „mit Hochdruck“ gearbeitet werde.

Hier können die 71 Standorte eingesehen werden:


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