Liberale Frauen kritisieren geplante AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag

Schwerin – Die Liberalen Frauen Mecklenburg-Vorpommern wenden sich deutlich gegen die Überlegungen der Bundesregierung, künftig bereits ab dem ersten Krankheitstag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verpflichtend vorzuschreiben. Die Initiative stoße insbesondere im ländlich geprägten Bundesland auf Kritik.

„Wer krank ist, gehört ins Bett – nicht ins Wartezimmer“, bringt es Whitney Bräunig, stellvertretende Landesvorsitzende der Liberalen Frauen Mecklenburg-Vorpommern, auf den Punkt. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern gehe der Vorschlag an der Lebensrealität vieler Menschen vorbei. Lange Wege zur nächsten Arztpraxis und ohnehin stark ausgelastete Hausarztpraxen würden durch zusätzliche Pflichtbesuche weiter belastet.

Nach Einschätzung der Liberalen Frauen droht die geplante Regelung vor allem eines zu bewirken: mehr Bürokratie und zusätzliche Belastungen für das Gesundheitssystem. Schon heute seien überfüllte Wartezimmer, knappe Termine und lange Anfahrtswege insbesondere im ländlichen Raum Alltag.

Besonders kritisch sehen die Liberalen Frauen die Auswirkungen auf Menschen mit wiederkehrenden oder chronischen Erkrankungen. Viele Betroffene – darunter zahlreiche Frauen – lebten etwa mit Endometriose oder litten regelmäßig unter Migräne. In solchen Fällen sei häufig vor allem Ruhe notwendig, nicht zwingend ein Arztbesuch.

„Eine Pflicht zum sofortigen Arzttermin bedeutet zusätzliche Belastung, lange Wege und Wartezeiten. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass aus einem eintägigen Ausfall vorsorglich eine längere Krankschreibung wird. Das hilft weder den Betroffenen noch den Arbeitgebern“, so Bräunig.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht um eine Sonderregelung für Frauen, betont die Organisation. Die geplante Änderung betreffe alle Beschäftigten gleichermaßen. Allerdings seien Frauen von bestimmten Erkrankungen häufiger betroffen, was bei gesundheitspolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden müsse.

Die Liberalen Frauen verweisen zudem darauf, dass Arbeitgeber bereits nach aktueller Rechtslage im Einzelfall verlangen können, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon ab dem ersten Krankheitstag vorgelegt wird. Eine pauschale gesetzliche Verpflichtung für alle Beschäftigten sei daher nicht notwendig.

„Vertrauen in die Beschäftigten ist der bessere Weg. Mehr Bürokratie, mehr Arztbesuche und längere Wege lösen keine Probleme – sie schaffen neue“, so Bräunig abschließend.


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