Die Pfaffenteichfähre fällt nach einem schweren Motorschaden auf unbestimmte Zeit aus. Nun wird deutlich: Obwohl die Stadtvertretung den Erhalt des Fährangebotes beschlossen hatte, wurden weder eine Ersatzfähre vorbereitet noch Fördermittel geprüft oder Geld für einen Neubau eingeplant. Die Verwaltung setzte darauf, dass das alte „Petermännchen“ noch bis etwa 2030 durchhält.
Seit Anfang Juni liegt die Pfaffenteichfähre still. Zunächst war noch von einem begrenzten technischen Defekt die Rede. Inzwischen ist klar: Der Motor des „Petermännchens“ ist nach Angaben der Stadt erheblich beschädigt und muss voraussichtlich vollständig überholt werden. Er wurde ausgebaut und zur Begutachtung an einen spezialisierten Fachbetrieb gegeben.
Ob die Fähre repariert werden kann, wie viel das kostet und wann sie wieder fährt, ist derzeit offen. Noch schwerer wiegt jedoch eine andere Erkenntnis: Für den Fall, dass das „Petermännchen“ länger oder endgültig ausfällt, hat die Stadt keine vorbereitete Lösung.
Das geht aus der Antwort von Oberbürgermeister Sebastian Ehlers auf eine Anfrage der Fraktion Unabhängige Bürger/FDP hervor. Die Fraktion wollte wissen, was seit dem Beschluss zum Erhalt des Fährangebotes konkret unternommen wurde und wie die Zukunft der Verbindung gesichert werden soll.
Die Antwort fällt eindeutig aus: „Es wurden noch keine weiteren Schritte für Neubau/Ersatzbeschaffung unternommen.“ Als Begründung nennt die Verwaltung, dass man von einem Weiterbetrieb der bestehenden Fähre ausgegangen sei.
Damit gab es bislang weder konkrete Planungen noch eine Ausschreibung. Auch eine Fördermittelprüfung oder die Vorbereitung einer Ersatzbeschaffung im Haushalt fanden nicht statt.
Hoffnung statt Ersatzlösung
Der bisherige Plan sah vor, die alte Fähre noch einmal grundlegend überholen zu lassen. Eine sogenannte Landrevision sollte den Betrieb anschließend für ungefähr vier weitere Jahre sichern. Das „Petermännchen“ hätte demnach bis etwa 2030 weiterfahren sollen.
Bei einer solchen Revision werden unter anderem Motor, Wellen und Propeller geprüft. Auch der Schiffsrumpf, der Korrosionsschutz, die elektrischen Anlagen und die sicherheitsrelevanten Systeme werden kontrolliert.
Diese Planung beruhte jedoch darauf, dass die Fähre technisch noch durchhält. Genau diese Annahme steht nach dem Motorschaden infrage.
Eine neue Fähre war bislang erst nach dem Ende des geplanten Weiterbetriebs vorgesehen. Auch die Sanierung der Fähranleger sollte nach den bisherigen Überlegungen nicht vor 2028 beginnen. Ob dieser Zeitplan noch realistisch ist, will die Verwaltung nun nach Abschluss der Begutachtung prüfen.
Bis dahin hängt die Zukunft des Fährbetriebs davon ab, ob der alte Motor noch einmal instand gesetzt werden kann.
Elektro-Katamaran war bereits 2025 im Gespräch
Dabei ist die Frage nach einem Ersatz nicht neu. Bereits im Mai 2025 hatte die Verwaltung drei Varianten für die Zukunft der Pfaffenteichfähre vorgestellt: die Sanierung der bestehenden Dieselfähre, einen Umbau auf Elektroantrieb oder den Neubau einer Elektro-Katamaran-Fähre.
Aus Sicht des Nahverkehrs wurde der Elektro-Katamaran damals als langfristig sinnvollste und zukunftsfähigste Lösung bezeichnet. Ein Kostenvoranschlag über rund 490.000 Euro lag nach damaligen Angaben bereits vor. Die erforderlichen städtischen Eigenmittel sollten in den nächsten Doppelhaushalt aufgenommen werden.
Konkrete Konsequenzen hatte diese Einschätzung jedoch nicht. Eine neue Fähre wurde weder bestellt noch ausgeschrieben. Auch weitere Schritte zur Vorbereitung des Projektes wurden nicht eingeleitet.
Gleichzeitig erklärte die Verwaltung damals den Beschluss der Stadtvertretung zum Erhalt des Fährangebotes für umgesetzt.
Genau daran entzündet sich nun Kritik. Denn beschlossen war nicht lediglich eine Prüfung verschiedener Möglichkeiten, sondern der Erhalt des Fährangebotes auf dem Pfaffenteich. Tatsächlich blieb der Betrieb aber vollständig von der Einsatzfähigkeit des alten Schiffes abhängig.
Beschluss umgesetzt – aber Zukunft nicht gesichert
Die UB/FDP-Fraktion wollte deshalb wissen, wie der Oberbürgermeister die damalige Aussage heute bewertet. Eine klare Neubewertung nimmt Ehlers bislang nicht vor. Zunächst müsse das technische Gutachten abgewartet werden.
Doch unabhängig vom genauen Reparaturpreis zeigt die Antwort der Verwaltung: Der dauerhafte Erhalt der Fähre war nicht abgesichert. Es gab keine Ersatzbeschaffung, keine belastbare Finanzierung und keinen Plan für einen plötzlichen Ausfall.
Der Motorschaden macht damit nicht nur ein technisches Problem sichtbar. Er legt auch offen, dass die Stadt beim „Petermännchen“ jahrelang auf Zeit gespielt hat.
Die Öffentlichkeit und die Stadtvertretung sollen informiert werden, sobald das Gutachten vorliegt. Dann soll feststehen, wie schwer der Schaden ist, ob eine Reparatur möglich ist und welche Kosten entstehen.
Eine Antwort auf die entscheidende Frage fehlt jedoch weiterhin: Was geschieht, wenn das „Petermännchen“ nicht mehr wirtschaftlich repariert werden kann?
Bislang gibt es darauf keinen Plan.

















3 Antworten zu „Stadt hat keinen Plan für die Zukunft der Petermännchenfähre“
Hier sollte sofort eine Elektrofähre hin. Eine Reparatur für 4 Jahre wäre aus meiner Sicht, viel zu teuer und umweltschädlicher.
Die Tradition der Fähre sollte auf jeden Fall erhalten bleiben.
Alle weiteren Zukunftsüberlegungen setzen doch zunächst eine ganz nüchterne Bestandsaufnahme voraus:
Wieviel Personen wurden innerhalb welchen ǰahrlichen Zeitraumes in den zurückliegenden 10 Jahren von der Fähre mit welchen jeweiligen Einnahmen zu welchen jeweiligen Sach- und Personalkosten transportiert ?
Grund: Die Reparatur- bzw. Neuanschaffungskosten sind noch der berechenbarste Kostenfaktor, entscheidend sind auf Dauer die Betriebskosten.
Erst wenn diese beiden Kostenblöcke in etwa als Cirka-Zahlen feststehen, kann es eine ernsthafte politische Abwägung geben, ob „man“ sich diese zweifelsohne schöne regionale Besonderheit weiter leisten kann und will.
Zudem wäre dieses Zahlenwerk auch zwingende Geschäftsgrundlage für ein eventuell ja auch zu überlegendes ganz anderes Betreibermodell für diesen „Fährbetrieb“ als das bisherige NVS-Modell.
vielleicht einmal den freundlichen Mitarbeiter von Mediamarkt fragen, Solarförderung oder Kabelgeführt oder als Tretboot…