(stm/Kommentar)
Die AfD hat ein Lieblingswort: Altparteien. CDU, SPD, Grüne, Linke – zu lange im Geschäft, zu festgefahren, zu verbraucht. Die AfD dagegen: die Alternative. Die neue Kraft. Der politische Neustart.
Nur gibt es da inzwischen ein kleines Problem: Die AfD ist selbst eine Altpartei.
Nicht im Sinne ihres Gründungsjahres – 2013 klingt im Vergleich zu CDU oder SPD tatsächlich noch jung. Aber politisch? Die AfD Mecklenburg-Vorpommern ist seit 2013 im Land aktiv und sitzt seit 2016 im Landtag. Leif-Erik Holm gehört zur ersten Generation des Landesverbandes und soll 2026 Ministerpräsident werden. Petra Federau ist ebenfalls seit den Anfangsjahren dabei, sitzt seit 2014 in der Schweriner Stadtvertretung und seit 2021 im Landtag. Enrico Schult führt 2026 die Landesliste an und ist als Fraktionsvorsitzender ebenfalls längst Teil des politischen Betriebs. Das ist keine politische Nachwuchsbewegung mehr. Das ist etablierte Landespolitik. Machterhalt. Postensicherung.
Interessant wird der Vergleich, wenn man denselben Zeitraum betrachtet. Die CDU hat seit 2013 mehrere Landesvorsitzende erlebt: Lorenz Caffier, Vincent Kokert, Michael Sack, Franz-Robert Liskow und seit 2024 Daniel Peters. An der Spitze gab es also mehrfach einen Generationen- und Personalwechsel. Die Grünen haben ihre Landesführung ebenfalls mehrfach verändert; für die Landtagswahl 2026 wurde sogar die ursprünglich aufgestellte Landesliste nach einem innerparteilichen Konflikt komplett neu aufgestellt. Claudia Müller und Ole Krüger stehen nun an der Spitze. Die Linke setzt mit Simone Oldenburg zwar auf ein bekanntes Gesicht, stellt mit dem deutlich jüngeren Hennis Herbst aber den eigenen Landesvorsitzenden direkt auf Platz zwei der Landesliste. Und die FDP versucht 2026 mit Jakob Schirmer als neuem Spitzenkandidaten einen Neustart.
Die SPD bildet das Gegenbeispiel: Manuela Schwesig führt die Partei erneut in die Landtagswahl und steht seit 2017 an der Spitze der Landesregierung. Die „Altparteien“ sind also keineswegs überall jung und frisch – aber bei mehreren von ihnen hat sich das Führungspersonal im selben Zeitraum sichtbar verändert.
Und bei der AfD? Holm ist wieder da. Federau ist wieder da. Schult steht vorne. Das ist nicht verboten und Erfahrung ist kein Makel. Aber dann sollte die Partei vielleicht aufhören, politische Langlebigkeit ausschließlich bei anderen als Problem zu verkaufen. Denn wer 13 Jahre lang existiert, seit zehn Jahren im Landtag sitzt und bei den wichtigsten Positionen weiterhin auf langjährige Funktionäre setzt, kann schwerlich so tun, als stünde er noch vor den Toren des politischen Establishments.
Die AfD will 2026 nicht mehr nur protestieren, sondern regieren – Holm hat sogar eine Alleinregierung als Ziel ausgegeben. Dann darf man auch fragen: Wo ist die nächste Generation? Wer sind die Gesichter der AfD 2030? Es gibt jüngere Kandidatinnen und Kandidaten.
Aber zwischen einem Listenplatz und der politischen Führung liegt ein Unterschied. Und genau deshalb bekommt die AfD jetzt vielleicht das Etikett zurück, das sie selbst so gerne verteilt: Altpartei. Nicht, weil sie 50 oder 100 Jahre alt wäre. Sondern weil sie nach 13 Jahren und zehn Jahren Landtag längst Teil des politischen Systems ist, das sie bekämpft.
Die Alternative ist keine neue Partei mehr. Sie ist eine etablierte Partei mit einem alten Kernpersonal – und damit, nach ihrer eigenen Definition, ziemlich genau das, was sie bei anderen so gerne kritisiert:
Eine Altpartei.
















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