Als ein Schweriner Graf den dänischen König entführte und im Schloß als Geisel nahm

(stm)

Der König von Dänemark war plötzlich Gefangener eines Schweriners. 1223 wurde Waldemar II. auf der dänischen Insel Lyø von Heinrich I. von Schwerin gefangen genommen. Der Graf hatte einen ungewöhnlichen Plan: Er wollte den König gegen das eintauschen, was ihm genommen worden war – seine Herrschaft über Schwerin.

Heinrich war einige Jahre zuvor zu einem Kreuzzug aufgebrochen. In seiner Abwesenheit hatten die Dänen ihren Einfluss in Mecklenburg ausgebaut und auch die Grafschaft Schwerin unter ihre Kontrolle gebracht. Als Heinrich zurückkehrte, fand er seine eigene Herrschaft weitgehend in den Händen seiner Gegner. Verhandlungen führten nicht zum gewünschten Ergebnis. Heinrich suchte deshalb nach einem Druckmittel, das der dänische König Waldemar nicht einfach ignorieren konnte.

Die Gelegenheit kam im Mai 1223. Dänenkönig Waldemar hielt sich mit seinem Sohn auf der kleinen dänischen Insel Lyø auf. Dem Grafen Heinrich gelang es, mit einer Gruppe von Männern auf die Insel zu gelangen und den König und seinen Sohn gefangen zu nehmen. Beide wurden auf ein Schiff gebracht und über die Ostsee fortgeschafft. Der dänische König, einer der mächtigsten Herrscher Nordeuropas, war nun eine Geisel eines Grafen aus Schwerin.

Nach der Entführung wurde Waldemar zunächst an verschiedenen Orten festgehalten. Heinrich konnte ihn nicht einfach auf die Schweriner Burg bringen, denn Schwerin war ja noch in dänischer Hand.

Erst nachdem Heinrich seine Grafschaft gewaltsam zurückerobert hatte, kam der König nach Schwerin. Hinter den Mauern der Burg saß nun ausgerechnet jener Herrscher fest, dessen Macht Heinrich aus seiner Heimat verdrängen wollte.

Heinrich verlangte für eine Freilassung des im Schloss eingesperrten dänischen König politische Zugeständnisse und die Rückgabe der Gebiete, die Dänemark in Mecklenburg an sich gebracht hatte. Es ging dem Grafen von Schwerin also nicht mehr nur um die damals kleine Grafschaft Schwerin, sondern um das Land bis an die Ostsee.

König Waldemar sollte seine Freiheit also mit mehr bezahlen als nur mit Silber. Dänemark versuchte, seinen König mit militärischer Gewalt zu befreien. 1225 kam es deswegen bei Mölln zur Schlacht, in der die dänische Seite geschlagen wurde.

Am Ende musste Waldemar nachgeben. Im Vertrag von Bardowick wurden die Bedingungen für seine Freilassung festgelegt. Unter anderem sollte der König 45.000 Mark Silber zahlen. Dazu kamen weitreichende politische Zugeständnisse. Heinrich hatte erreicht, worum es ihm von Anfang an gegangen war: Schwerin war wieder seine Grafschaft.

Doch der Konflikt war damit nicht beendet. Der freigelassene Dänenkönig Waldemar versuchte, seine verlorene Macht zurückzugewinnen. 1227 kam es bei Bornhöved (heute im Süden von Schleswig Holstein) zur entscheidenden Schlacht. Die dänische Niederlage beendete die Vorherrschaft Dänemarks über große Teile Norddeutschlands und Mecklenburgs.

Heinrich von Schwerin, auch „der Schwarze“ genannt starb 1228. Er wurde im Schweriner Dom beigesetzt. Damit liegt der Mann, der einst einen dänischen König gefangen nahm, noch heute mitten in Schwerin begraben. Auch am heutigen Schloss erinnert eine Darstellung an ihn.


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