(red)
Was kostet ein Haus eigentlich, wenn die Miete oder der Kredit noch gar nicht mitgerechnet wird? Wasser, Abwasser, Müll, Rundfunkbeitrag und Grundsteuer summieren sich in Schwerin bei einem beispielhaften Haushalt auf knapp 135 Euro im Monat. Und damit liegt die Stadt bundesweit erstaunlich günstig. Der Bund der Steuerzahler hat für 2026 die Wohnnebenkosten in allen 16 Landeshauptstädten verglichen. Ergebnis: Für sein Musterhaus werden in Schwerin insgesamt 1.614,78 Euro im Jahr fällig – weniger als irgendwo sonst.
Ganz unverändert ist die Rechnung allerdings nicht. Im vergangenen Jahr waren es noch 1.606,44 Euro. Die Belastung steigt damit um 8,34 Euro im Jahr. Der größte Teil davon entfällt auf den Müll. Die angesetzten Abfallgebühren steigen von 162,80 auf 169,10 Euro. Das sind 6,30 Euro mehr im Jahr. Trotzdem bleibt Schwerin bei den Abfallgebühren die günstigste der 16 untersuchten Landeshauptstädte. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 283,57 Euro.
Auch beim Schmutzwasser werden 2,04 Euro mehr fällig. Dabei wird das eigentliche Schmutzwasser gar nicht teurer. Der Aufschlag entsteht durch eine Verwaltungsgebühr für den im Musterfall angesetzten Gartenwasser- beziehungsweise Absetzungszähler. Sie steigt von 13,46 auf 15,50 Euro im Jahr. Trinkwasser, Niederschlagswasser und Rundfunkbeitrag bleiben dagegen unverändert. Für Trinkwasser werden 429,84 Euro angesetzt, für Niederschlagswasser 118,50 Euro und für den Rundfunkbeitrag 220,32 Euro.
Noch deutlicher wird der Unterschied zu anderen Städten beim Blick auf die gesamte Rechnung. Ohne Grundsteuer kommt das Schweriner Musterhaus auf 1.310,98 Euro im Jahr. Damit liegt Schwerin auf Platz vier. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 1.492,16 Euro. Kiel ist mit 1.251,45 Euro günstiger, Potsdam kommt dagegen auf 1.985,19 Euro. Mehr als 700 Euro liegen zwischen den beiden Städten.
Die Grundsteuer verändert das Bild für Schwerin nicht. Sie bleibt für das Musterhaus bei 303,80 Euro. Zusammen mit den übrigen Kosten ergeben sich dadurch 1.614,78 Euro im Jahr. Der Durchschnitt der 16 Landeshauptstädte liegt einschließlich Grundsteuer bei 2.018,69 Euro. Das sind 403,91 Euro mehr als in Schwerin. Noch größer ist der Abstand zu Stuttgart: Dort kommt das gleiche Musterhaus auf 2.606,07 Euro im Jahr.
Allerdings sollte niemand diese Zahlen mit seiner eigenen Jahresabrechnung verwechseln. Der Vergleich arbeitet bewusst mit einem einheitlichen Muster: drei Personen, ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche, ein 500 Quadratmeter großes Grundstück, 132 Kubikmeter Wasserverbrauch und 150 Quadratmeter versiegelte Fläche. Wer in einer Wohnung lebt, weniger Wasser verbraucht oder ein anderes Grundstück besitzt, zahlt entsprechend anders.
Der Bund der Steuerzahler sieht das Ergebnis trotzdem als Grund, genau hinzuschauen. Landesvorsitzender Sascha Mummenhoff warnt davor, Gebühren zur Sanierung kommunaler Haushalte zu erhöhen. Jede zusätzliche Belastung müsse wirtschaftlich begründet und nachvollziehbar sein. Gerade die zwei Euro mehr beim Schmutzwasser zeigen, dass auch kleine Verwaltungsgebühren Teil der Rechnung sind.
Bei der Grundsteuer geht die Kritik des Verbandes noch weiter. Mecklenburg-Vorpommern nutzt das wertabhängige Bundesmodell, bei dem unter anderem Bodenrichtwerte und weitere Bewertungsfaktoren eine Rolle spielen. Der Bund der Steuerzahler hält das Verfahren für zu kompliziert und unterstützt gemeinsam mit Haus & Grund Deutschland Verfassungsbeschwerden gegen das Modell. Die Verfahren liegen beim Bundesverfassungsgericht unter den Aktenzeichen 1 BvR 472/26 und 1 BvR 551/26.
Wie groß der Streit noch ist, zeigen die Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern. Nach Angaben des Finanz- und Digitalisierungsministeriums waren Anfang Juni rund 153.800 Einsprüche gegen Grundsteuerbescheide noch anhängig. Rund 85.400 Verfahren ruhten wegen der beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Musterverfahren.
Und dann gibt es beim Thema Wohnen noch eine ganz andere Rechnung: Wer in Mecklenburg-Vorpommern ein Haus kaufen will, muss sechs Prozent Grunderwerbsteuer zahlen. Bei einem Kaufpreis von 300.000 Euro sind das grundsätzlich 18.000 Euro. Einen allgemeinen Freibetrag für den erstmaligen Kauf einer selbstgenutzten Immobilie gibt es nicht. Der Bund der Steuerzahler fordert deshalb einen Freibetrag für Ersterwerber und langfristig einen niedrigeren Steuersatz.
Für die laufenden Wohnnebenkosten bleibt in Schwerin damit eine bemerkenswerte Zahl: Rund 135 Euro im Monat kostet das Musterhaus für Wasser, Abwasser, Müll, Rundfunkbeitrag und Grundsteuer. Mehr als 400 Euro weniger als der Durchschnitt der 16 Landeshauptstädte. Schwerin bleibt damit auch 2026 die günstigste Stadt im bundesweiten Gesamtranking des Steuerzahlerbundes.
Quelle:












Geben Sie hier ihren Senf dazu ab.