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Der größte Betrug, der Schwerin reich machte – ein Blutstropfen im Jaspis baute den Dom

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Der mächtigste Sakralbau Mecklenburgs wurde mit einem Stein bezahlt, der in eine Hand passt. Die Geschichte dahinter kennen heute die wenigsten – obwohl sie sich am wichtigsten Gebäude der Stadt direkt ablesen lässt.

1222 kehrte Graf Heinrich von Schwerin von einem Kreuzzug zurück. Im Gepäck: eine Reliquie des Heiligen Blutes – ein angeblicher Blutstropfen Christi, eingeschlossen in einen Jaspis. Das Kreuzfahrer-Souvenir wurde im Schweriner Dom aufbewahrt und machte die Stadt über Nacht zum Ziel von Pilgern aus dem ganzen Nordosten. Der Dom entwickelte sich zur bedeutendsten Wallfahrtskirche Nordostdeutschlands.

Die Pilger brachten Geld. Das hatte Folgen: Ein Drittel der Einnahmen aus der Reliquie floss in einen Franziskanerkonvent, der bereits 1236 urkundlich erwähnt wurde – die älteste Niederlassung eines Bettelordens in Mecklenburg. Und die alte romanische Basilika, gestiftet von Heinrich dem Löwen, wurde dem Pilgerstrom schlicht zu klein.

Hinzu kam Eitelkeit: Der Bischof wollte mit den aufblühenden Hansestädten der Umgebung wetteifern – Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald bauten alle eindrucksvolle Gotteshäuser. Also begann um 1270 der vollständige gotische Neubau der Kathedrale. 1327 stand der neue Chor, erst 1416 vollendeten Stralsunder Bauleute die Fenster und Gewölbe des Langhauses. Der Dom, wie man ihn heute kennt, ist also im Grunde ein von einem Blutstropfen finanzierter Prestigebau des Mittelalters.

Schweriner Dom vom Marktplatz
Der Schweriner Dom: Sein gotischer Neubau wurde ab 1270 mit Pilgerspenden finanziert. Foto: Dguendel (CC BY 4.0), via Wikimedia Commons

Ob in dem Stein tatsächlich ein Blutstropfen Christi steckte oder ob es sich um eine der unzähligen mittelalterlichen Reliquienfälschungen handelte – dazu schweigen die Quellen. Wo der Jaspis heute ist, ist ebenfalls nicht überliefert. Geblieben ist der Dom – und eine der vergessenensten Geschichten der Stadt.

Quellen: Dom zu Schwerin, Stadtgeschichte Schwerins (Landeshauptstadt Schwerin) sowie die historische Überlieferung des Vereins für Mecklenburgische Geschichte. Beitragsbild (Symbol): Dave Ruske (CC BY 4.0), via Wikimedia Commons. Textfoto: Dguendel (CC BY 4.0), via Wikimedia Commons.

PS.: Um 1550 ließ Herzog Johann Albrecht die Reliquie vernichten – der Überlieferung nach wurde der Jaspis mit dem Hammer zertrümmert, anderen Berichten zufolge verbrannte das heilige Blut im Feuer. Sollte also bei irgendeiner Baumaßnahme in Schwerin je ein roter Steinsplitter auftauchen: Glückwunsch – das könnte der wertvollste Steinsplitter der Geschichte der Stadt sein.

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