(stm/Kommentar) Ein Erlebnisbericht aus der Schweriner Innenstadt.
Am Ende der vergangenen Woche gönnte ich mir beim Bäcker einen Kaffee. Da sprach mich eine Mitarbeiterin der Filiale an: Dort vorne am Dom liege eine Person – ob ich das gesehen hätte? Das konnte ich zunächst gar nicht glauben, also ging ich hinaus und schaute nach.
Direkt an der Wand lag eine Frau auf dem Boden. Zuerst dachte ich tatsächlich, dort würden nur ein paar Klamotten liegen. Dann sah ich sie: eine Frau, ohne Decke, ohne weitere Klamotten, ohne Tasche, ohne Tüten. Einfach nur ein Mensch, zusammengekauert auf dem harten Boden direkt an der Wand. Sehr unbequem sah das aus. Mir wurde gesagt, dass sie dort schon seit Stunden liegen beziehungsweise sitzen soll.
Ich sprach mit ihr. Sie erzählte, dass sie nicht mehr könne und nicht mehr wolle. Sie sagte, sie werde bald sterben. Es waren Sätze, bei denen man nicht einfach weitergehen kann.
Irgendwann ging ich nach Hause. Aber dort ließ mich die Sache nicht los. Was soll ich jetzt machen? Man kann das doch nicht einfach so laufen lassen. Also rief ich bei der Polizei in der Graf-Yorck-Straße an und schilderte, was passiert war.
Etwa zehn Minuten später ging ich noch einmal los. Ich wollte einfach wissen, ob tatsächlich jemand hingegangen war. Ja: Zwei Polizeibeamte waren bei der Frau und sprachen mit ihr. Ich ging weiter, kam etwa eine halbe Stunde später wieder dort vorbei – und die Polizei war immer noch da. Die Beamten standen bei der Frau und sprachen mit ihr.
Und irgendwie fand ich das gut. Nicht, weil damit plötzlich alles gelöst gewesen wäre – das weiß ich nicht. Aber weil sich jemand Zeit genommen hat. Für diese Frau, für ihre Geschichte, für ihre Probleme.
Was danach passiert ist, weiß ich nicht. Ich weiß nicht, wo die Frau jetzt ist. Ich weiß nicht, ob sie irgendwo untergekommen ist, und ich weiß nicht, ob ihr jemand hilft, wieder auf die Beine zu kommen. Vielleicht werde ich es nie erfahren. Aber die Begegnung bleibt.
Denn diese Frau lag mitten in Schwerin, direkt am Dom. Und wahrscheinlich sind an diesem Tag viele Menschen an ihr vorbeigegangen. Vielleicht haben sie sie gesehen. Vielleicht haben sie gedacht, dass sich schon jemand kümmern wird. Vielleicht wollten sie auch einfach nichts damit zu tun haben.
Ich kann das sogar verstehen. Wir können nicht jedes Problem dieser Stadt lösen. Aber vielleicht sollten wir etwas weniger oft wegschauen. Manchmal reicht es schon, stehen zu bleiben, hinzusehen, nachzufragen – und jemanden zu holen, der helfen kann.
Ich weiß nicht, was aus der Frau am Dom geworden ist. Ich hoffe einfach, dass es ihr heute besser geht.
Hilfsangebote in Schwerin
Wer in der Stadt auf Menschen in Notlagen trifft, kann auf verschiedene Anlaufstellen hinweisen. Nach Angaben der Stadt Schwerin ist die Wohnungslosenunterkunft der Landeshauptstadt mit 45 Plätzen ganzjährig durchgehend geöffnet. Dazu kommen Straßensozialarbeit, das StraßenCaFé, die Bahnhofsmission, Tagestreffpunkte, Essensausgaben und Kleiderkammern sowie Beratungsangebote von Caritas, AWO und weiteren Trägern. Eine Übersicht mit Links:
Hilfsangebote für wohnungslose Personen – Landeshauptstadt Schwerin
Caritas im Norden (Caritas Mecklenburg)
AWO Kreisverband Schwerin-Parchim
Tafel Schwerin e.V.
Bahnhofsmission
Wer selbst nicht mehr weiterweiß oder für jemanden Hilfe sucht: Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 sowie 116 123. Bei akuter Gefahr für Leben und Gesundheit gilt die 112.
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Foto: Redaktion schwerin.news
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(red)












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