(red) Vom 5. bis 24. Oktober wird Schwerin wieder zum Schauplatz der Veranstaltungsreihe „weltwechsel“. Mehr als 76 Veranstaltungen gibt es landesweit – von Filmen und Diskussionen über Workshops bis zu Aktionen und Ausstellungen. Allein in Schwerin ist das Programm prall gefüllt. Und es geht um Fragen, die näher an unserem Alltag liegen, als der etwas große Name „weltwechsel“ zunächst vermuten lässt.
Was hat ein Schweriner Kleiderschrank mit globalen Lieferketten zu tun? Was hat eine deutsche Bierflasche auf einer Insel im Nordpolarmeer verloren? Was bedeutet der Kohleabbau in Kolumbien für Menschen, deren Wasser knapp wird? Und wie verändert sich eine Nachbarschaft, wenn Menschen mit völlig unterschiedlichen Lebensgeschichten anfangen, gemeinsam zu kochen, zu gärtnern oder zu essen?
Genau darum geht es bei „weltwechsel 2026“. Das diesjährige Motto lautet „Zusammen bleiben – für eine solidarische Nachbarschaft, lokal und global“. Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern koordiniert die Veranstaltungsreihe, an der sich zahlreiche Vereine, Initiativen und Einzelpersonen beteiligen. Das Thema wurde nach Angaben des Landesnetzwerks in einer landesweiten Abstimmung mit 107 Punkten gewählt.
Los geht es am Montag, 5. Oktober, um 17 Uhr im Goldenen Saal des Neustädtischen Palais. Dort wird die landesweite Veranstaltungsreihe offiziell eröffnet. Gleichzeitig wird der ökumenische Eine-Welt-Förderpreis verliehen. Anschließend gibt es Gelegenheit zum Austausch bei Getränken und Snacks.
In Schwerin beginnt der Tag allerdings bereits früher. Um 13.30 Uhr startet vor dem Mecklenburgischen Staatstheater ein Stadtrundgang mit dem Titel „Decolonize Schwerin!“. Dabei soll es um die kolonialen Verflechtungen der Stadt und die Frage gehen, welche Auswirkungen diese Geschichte bis heute auf Erinnerungskultur und gesellschaftliches Zusammenleben hat. Der Rundgang führt damit ausgerechnet mitten durch jene Stadt, die sich sonst gerne über Schloss, Residenzgeschichte und Welterbe erzählt.
Am 6. Oktober wird es praktischer: Bei der „Nachbarschafts-Bowl“ im wertvoll im Klöresgang wird gemeinsam geschnippelt, gekocht und gegessen. Die Teilnehmer sollen Zutaten mitbringen und daraus gemeinsam ein vegetarisches oder veganes Gericht entstehen lassen. Dazu kommen Themen wie regionale Lebensmittel, klimaschonender Einkauf und die Frage, wie Menschen miteinander in Kontakt bleiben können. Die Teilnahme ist auf 15 Personen begrenzt und kostet für Erwachsene zehn, für Kinder fünf Euro.
Einen Abend später geht es um die großen Fragen. Bei „Zusammen Zukunft gestalten“ spricht die Lokale Agenda Westmecklenburg am 7. Oktober im Agenda-Büro über Klimakrise, knapper werdende Ressourcen, Wachstum und die Frage, wie ein solidarisches Zusammenleben aussehen kann. Als Gesprächspartner ist der Theologe und Philosoph Dr. Bruno Kern angekündigt.
Fast gleichzeitig steht im Schleswig-Holstein-Haus ein anderes Thema auf dem Programm: „Wege zum Frieden“. Die Veranstaltung der IPPNW-Regionalgruppe Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt sich mit Frieden, globaler Gerechtigkeit und Alternativen zu militärischen Lösungsstrategien. Referent ist der Politikwissenschaftler Josef Mühlbauer. Die Veranstalter verbinden das Thema ausdrücklich mit der Frage, welche strukturellen Ursachen hinter Gewalt stehen und wie diese überwunden werden könnten.
Am 9. Oktober geht es dann von Schwerin nach Togo. In der Europaschule John Brinckman wird der Film „Ohne Schule keine Träume“ gezeigt. Im Mittelpunkt stehen zwei Kinder aus Kourdjoak und deren Alltag, Schule und Zukunftswünsche. Danach soll es Mitmachangebote zu Ernährung, Mobilität, Lesen und Trommeln sowie Aktionen im Schulgarten geben.
Am selben Abend kommt die Welt wieder ganz nach Schwerin zurück – genauer gesagt auf den Großen Dreesch. Im Campus am Turm läuft „Garten der Hoffnung“, ein Film von Dieter Schumann über ein Gemeinschaftsgartenprojekt. Dort gärtnern Menschen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten gemeinsam. Nach dem Film ist ein Gespräch mit dem Regisseur beziehungsweise Projektbeteiligten vorgesehen.
Der 10. Oktober dürfte für viele Schweriner besonders leicht zugänglich sein. Im Knotenpunkt in der Mecklenburgstraße gibt es von 11 bis 15 Uhr einen kostenlosen Kleidertausch. Gut erhaltene Kleidung kann abgegeben und andere Kleidung mitgenommen werden. Die Aktion richtet sich gegen den Gedanken „neu kaufen“, setzt auf Wiederverwendung und verbindet das Thema Fast Fashion mit solidarischer Nachbarschaft.
Anschließend geht es weiter zum Komplex in der Pfaffenstraße. Dort heißt es „Lokal treffen – zusammen essen, global gerecht!“. An einer langen Tafel soll gemeinsam gegessen und darüber gesprochen werden, woher unsere Lebensmittel kommen, welche globalen Folgen unser Konsum hat und welche Alternativen es in Schwerin bereits gibt.
Am 11. Oktober lädt der Weltladen Schwerin ins Internationale Haus zur traditionellen „Teestunde“. Dieses Mal erzählt Gabriel Celino Ferrer von den Philippinen über sein Herkunftsland und seine Erfahrungen. Ferrer lebt seit vier Jahren in Schwerin und arbeitet hier als Altenpfleger. Das Format setzt bewusst auf eine persönliche Perspektive statt auf einen Vortrag über ein fremdes Land.
Am 12. Oktober wird es im Komplex kreativ. Bei „Zusammen bleiben“ entsteht in einem Collagen-Workshop die Frage, was Menschen trotz kultureller und sozialer Unterschiede miteinander verbindet. Die entstandenen Arbeiten sollen später in der Nähwerkstatt ausgestellt werden. Am Abend folgt im Internationalen Haus der Dokumentarfilm „Territorio Puloui – Der Preis der Kohle“. Der Film führt nach La Guajira im Norden Kolumbiens und beschäftigt sich mit dem Leben der Wayuu, Wasserknappheit und den Folgen des Kohleabbaus. Die Regisseurin Carmela Daza ist für ein anschließendes Gespräch angekündigt.
Am 13. Oktober wird es politischer. Die Initiative „Nein zur Bezahlkarte – Schwerin Tauschsystem“ stellt im Komplex ihr Bargeld-Tauschsystem vor. Menschen mit Bezahlkarte können dort Gutscheine tauschen; gleichzeitig soll über die Bezahlkarte und deren Auswirkungen informiert werden. Die Veranstalter vertreten dabei ausdrücklich eine kritische Position zur Bezahlkarte. Das sollte man bei der Veranstaltungseinordnung wissen: Hier geht es nicht nur um Information, sondern auch um politisches Engagement.
Der 14. Oktober bringt gleich zwei unterschiedliche Perspektiven. In der Naturschutzstation Schwerin läuft „The North Drift“, ein Dokumentarfilm über Plastikmüll, der über Flüsse und Meere bis nach Norwegen gelangt. Ausgangspunkt ist eine deutsche Bierflasche auf einer abgelegenen Insel der Lofoten. Der Film zeigt damit ziemlich anschaulich, dass „weg“ beim Müll nicht unbedingt bedeutet, dass etwas tatsächlich verschwunden ist.
Nur eine halbe Stunde später beginnt im Agenda-Büro die Diskussion „Wehrhaft ohne Waffen“. Dabei geht es um das Konzept der sozialen Verteidigung und die Frage, wie Menschen demokratische Werte, Freiheit und selbstbestimmtes Leben schützen können, ohne auf Waffen und Gewalt zu setzen. Als Referent ist Jochen Neumann vom Bund für Soziale Verteidigung angekündigt.
Am 15. Oktober geht es bei „Kino unterm Dach“ in der VHS um einen ganz anderen Teil der Welt: „Cotton Queen“ erzählt die Geschichte der 15-jährigen Nafisa in einem sudanesischen Baumwolldorf. Der Film verbindet die Lebensgeschichte des Mädchens mit Fragen nach Selbstbestimmung, Frauenrollen und historischen Verflechtungen. Im Anschluss ist ein Gespräch über den Film vorgesehen.
Der 16. Oktober dürfte dann zum großen Treffpunkt der Reihe werden. Unter dem Titel „Zusammen kommen!“ laden Schweriner Initiativen von 16 bis 19 Uhr in die Alte Post am Berliner Platz. Geplant sind Musik, Tanz, Spiele, Siebdruck, Angebote für Kinder und Essen. Dazu kommen eine Ausstellung zu globalen Fluchtursachen sowie ein Workshop über Klimaungerechtigkeit, Wirtschaftsweisen und mögliche Alternativen. Beteiligt sind unter anderem Was jetzt?! e.V., die BUNDjugend M-V, die Deutsch-Afrikanische Zusammenarbeit und das Kombinat 63.
Am 17. Oktober folgt das Thema Garten. Bei „Gärten der Zukunft“ geht es im Nachbarschaftstreff Hand in Hand in der Lessingstraße um Gemeinschaftsgärten, Foodsharing, nachhaltige Flächennutzung und die Frage, wie aus Kleingartenflächen Orte des Austauschs und der gemeinsamen Nutzung werden können.
Wer sich selbst besser Gehör verschaffen möchte, bekommt am 20. Oktober Gelegenheit dazu. Der Workshop „Deine Stimme“ im Malteser Integrationsdienst richtet sich an FLINTA*-Personen mit und ohne Migrationsgeschichte beziehungsweise mit Rassismuserfahrungen. Trainiert werden unter anderem Körpersprache, Blickkontakt, freies Sprechen und selbstbewusstes Auftreten. Der Veranstalter weist auf einen Safer Space und begrenzte Möglichkeiten zur Kinderbetreuung hin. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Am 22. Oktober geht es schließlich noch einmal um Bildung. Bei „Bildung schafft Perspektiven – lokal und global“ wird im Büro der Lokalen Agenda über ein Schulprojekt in Westafrika gesprochen. Der Gründer Matthew Davis soll per Video zugeschaltet werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Bildung zu mehr Zusammenhalt und Zukunftsperspektiven beitragen kann.
Und auch wer lieber schaut als diskutiert, kommt auf seine Kosten. Vom 11. bis 24. Oktober ist in Schwerin die Ausstellung „HeART of Gaza“ angekündigt. Gezeigt werden Arbeiten von Kindern im Alter von drei bis 17 Jahren, die im Rahmen des „Artists’ Tent“ entstanden sind. Die Ausstellung beschäftigt sich mit den Erfahrungen von Kindern inmitten von Krieg, Verlust und Unsicherheit. Der genaue Ausstellungsort soll dem Onlineprogramm entnommen werden.
Ebenfalls in der Naturschutzstation Schwerin startet am 14. Oktober die Ausstellung „Alles im Fluss!? Wasser in der Krise“. Sie beschäftigt sich mit den Folgen der Klimakrise für Flüsse, Seen, Grundwasser und Meere. Nach Angaben der Veranstalter soll die Ausstellung mindestens bis zum Jahresende zu den regulären Öffnungszeiten der Naturschutzstation zu sehen sein. Vom 12. bis 15. Oktober gibt es dort außerdem ein eigenes Bildungsangebot für Schulklassen der Jahrgänge 1 bis 10 zum Thema Wasserverbrauch und Wasserzugang weltweit.
Damit ist „weltwechsel“ in Schwerin weit mehr als eine Reihe von Vorträgen über irgendwo weit weg stattfindende Probleme. Die Veranstalter versuchen, globale Zusammenhänge an Dinge zu knüpfen, die jeder kennt: Kleidung, Essen, Wasser, Müll, Garten, Schule, Migration, Krieg und das Zusammenleben in der eigenen Stadt. Manche Veranstaltungen sind ausdrücklich politisch positioniert, andere funktionieren eher als Filmabend, Workshop oder Begegnung. Wer sich selbst ein Bild machen will, findet deshalb nicht nur eine Richtung, sondern ein ziemlich breites Spektrum an Angeboten.
Das komplette Programm für Mecklenburg-Vorpommern umfasst laut Veranstaltern mehr als 76 Veranstaltungen. Die weltwechsel-Wochen laufen offiziell vom 5. bis 24. Oktober 2026. Das vollständige Programmheft und der aktuelle Veranstaltungskalender stehen online beim Eine-Welt-Landesnetzwerk und unter diesem Beitrag zur Verfügung.
http://www.schwerin.news wird von einigen der Veranstaltungen berichten.












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