(red) In Schwerin gehen jedes Jahr rund 740 Beschäftigte in Rente. Bis 2035 sind es insgesamt rund 28.100 Menschen im Ruhestand. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nimmt diese Zahlen zum Anlass für eine Forderung, die sie seit Monaten wiederholt: Wer 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat, soll ohne Abschlag in Rente gehen dürfen.
Die Zahlen stammen aus Berechnungen des Pestel-Instituts, auf die sich die NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern beruft. Sie beschreiben, was in den nächsten Jahren auf die Stadt zukommt: Jedes Jahr geht eine Belegschaft in den Ruhestand, die größer ist als mancher Betrieb in der Stadt.
Die Sorge um den Abschlag
Hinter der Forderung steht die geplante Rentenreform der Bundesregierung. Nach Beobachtung der Gewerkschaft sorgt sie für Verunsicherung, vor allem bei denen, die kurz vor den 45 Beitragsjahren stehen oder sie schon voll haben.
„Sie befürchten deutliche Abschläge und damit spürbare Einbußen bei ihrer Rente, wenn sie jetzt aus dem Berufsleben ausscheiden wollen“, sagt Jörg Dahms, Geschäftsführer der NGG-Region Mecklenburg-Vorpommern.
Wer früh anfange zu arbeiten, dürfe dafür nicht bestraft werden, sagt Dahms. „Entgegen einem weit verbreiteten Eindruck sind viele Menschen mit langen Erwerbsbiografien keine Spitzenverdiener. Sie sind auf eine verlässliche und ungekürzte gesetzliche Rente angewiesen.“ Das gelte für die Lebensmittelproduktion ebenso wie für Bäckereien, Kantinen und Restaurants in Schwerin.
Wie viele es betrifft
Die Gewerkschaft nennt dazu Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Von den knapp 176.000 Männern in Mecklenburg-Vorpommern, die Ende vergangenen Jahres eine gesetzliche Altersrente bezogen, haben rund 79.500 mindestens 45 Jahre eingezahlt. Bei den knapp 211.000 Frauen sind es rund 47.300.
Fast die Hälfte der Männer und knapp ein Viertel der Frauen hat also eine besonders lange Beitragszeit hinter sich. Für diese Gruppe würde sich eine Verschlechterung der Abschlagsregeln unmittelbar auswirken.
Was die NGG ablehnt
Die Gewerkschaft wendet sich gegen eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters. „Es wird dabei immer wieder auf eine steigende Lebenserwartung verwiesen. Doch wer körperlich belastend arbeitet, kann nicht beliebig länger arbeiten“, sagt Dahms. Für diese Beschäftigten sei eine höhere Altersgrenze „nichts anderes als eine Rentenkürzung durch die Hintertür“.
Auch die geplante Kapitalrente sieht die NGG kritisch. Die gesetzliche Rente müsse verlässlich bleiben und dürfe nicht von den Risiken der Finanzmärkte abhängen. Das Rentenniveau soll nach ihrer Vorstellung weiter an die Lohnentwicklung gekoppelt bleiben.
Die Gewerkschaft appelliert an CDU/CSU und SPD, die Reform sozial auszugestalten. Ob und wie die Bundesregierung darauf eingeht, ist offen. In Schwerin betrifft die Entscheidung jedes Jahr rund 740 Menschen.



















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