(stm) Die fehlende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei der Gestaltung öffentlicher Räume ist kein lokales Phänomen, wie eine aktuelle Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks (DKHW) zeigt. Nachdem Oberbürgermeister Rico Badenschier gravierende Planungsmängel beim Penny-Spielplatz in Lankow eingeräumt hatte (www.schwerin.news berichtete) verdeutlicht die bundesweite Untersuchung des DKHW: Nicht nur in Schwerin, sondern in ganz Deutschland werden junge Menschen bei wichtigen Entscheidungen zu oft außen vor gelassen.
Eine am 9. September 2024 veröffentlichte Umfrage verdeutlicht, dass nur 6 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig bei kommunalen Entscheidungen ein Mitspracherecht haben. Dieser Wert liegt zwar knapp über dem bundesweiten Durchschnitt von 5 Prozent, doch das Bild, das die Umfrage zeichnet, zeigt wie gering die Mitsprache und Mitbestimmung tatsächlich ausfällt.
Lankower Spielplatz als Symbol für strukturelle Mängel
Die Debatte um den Penny-Spielplatz in Schwerin-Lankow ist ein bedauerliches, Beispiel dafür, wie Kinder und Jugendliche bei der Planung von städtischen Projekten hier bei uns in Schwerin übergangen werden. Oberbürgermeister Badenschier hatte in einer Beantwortung einer Anfrage eigestanden, dass die Beteiligung junger Menschen vernachlässigt wurde, und versprochen, in Zukunft verstärkt auf ihre Mitbestimmung zu achten. Für Schwerin, gute Signale in Richtung Zukunft, die Ergebnisse der DKHW-Umfrage hingegen werfen ein Schlaglicht auf das viel größere Problem: Kinder und Jugendliche fühlen sich nicht nur in Schwerin, sondern bundesweit kaum gehört.
„Frühe Beteiligungserfahrungen sind entscheidend, um demokratische Kompetenzen zu fördern“, betont Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks in der Pressemitteilung. „Doch die Realität zeigt, dass Kinder in der Praxis oft übergangen werden, insbesondere bei kommunalen Entscheidungen.“
Schulen, Vereine und Freizeiteinrichtungen: Viel Luft nach oben
Neben der mangelnden kommunalen Mitbestimmung zeigt die Umfrage auch Schwächen in anderen Lebensbereichen auf. Während 69 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern angeben, in ihren Familien häufig mitbestimmen zu können, sinkt dieser Anteil in Schulen auf nur 30 Prozent. In Freizeiteinrichtungen wie Jugendclubs oder Vereinen sieht es ähnlich düster aus – nur 22 bzw. 32 Prozent der Befragten haben demnach regelmäßige Mitsprachemöglichkeiten.
Diese Ergebnisse spiegeln eine bundesweite Tendenz wider: Auch hier sieht eine Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ihre Mitbestimmungsrechte als ausbaufähig. Die Umfrage belegt damit eindrucksvoll, dass die Missstände beim Penny-Spielplatz in Lankow kein Einzelfall sind, sondern Teil eines systemischen Problems.
Kinderfreundliche Kommunen als Lösung?
Das DKHW fordert deshalb klare gesetzliche Regelungen und verbindliche Qualitätsstandards, um die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sicherzustellen. „Verantwortlichkeiten müssen festgelegt und Verfahren verbindlich geregelt werden“, so Hofmann. Zudem brauche es ein gesellschaftliches Klima, das Kinder und Jugendliche ernst nimmt und ihnen echte Mitsprache auf Augenhöhe gewährt. Initiativen wie das Programm „Kinderfreundliche Kommunen“, dem sich bereits 60 Städte angeschlossen haben, könnten eine Lösung sein. Schwerin ist diesem Netzwerk noch nicht beigetreten, und das obwohl es bereits mehrfach vielversprechende Ansätze gab.
Der Fall des Penny-Spielplatzes in Lankow zeigt, wie schnell die Bedürfnisse der jüngsten Bürger übersehen werden, und wie wichtig es ist, diese Fehler in der Zukunft zu vermeiden. Ein beitritt zu dem netzwerk wäre nur eine maßnahme von vielen.
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Kommentar:
Die aktuelle Umfrage des Deutschen Kinderhilfswerks bestätigt, dass die Missstände bei der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, wie sie beim Penny-Spielplatz in Lankow aufgetreten sind, kein Einzelfall sind. Bundesweit fühlen sich viele junge Menschen übergangen – sei es in Schulen, Vereinen oder bei kommunalen Entscheidungen. Die Politik ist nun gefordert, klare Maßnahmen zu ergreifen, um die Rechte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland zu stärken. Welche Konsequenzen dies „Nicht beteiligung“ von kindern und Jugendlichen in Schwerin hat bleibt abzuwarten.
Hier kann die Pressemitteilung des Kinderhilfswerkes eingesehen werden. Weitere Informationen zum Kinderrechte-Index unter www.dkhw.de/kinderrechte-index und zur aktuellen Umfrage unter www.dkhw.de/kinderrechte-index-aktuell-beteiligung.
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3 Antworten zu „Versäumnisse wie beim Spielplatz in Lankow kein Einzelfall. Kinderhilfswerk kritisiert mangelnde Mitbestimmung bundesweit.“
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