(stm/red)
Schwerin bekommt in diesen Tagen ungewöhnlichen Besuch. Rund 2.000 Zeugen Jehovas aus dem In- und Ausland kommen im Rahmen ihres internationalen Kongresses in Hamburg auch nach Schwerin. Auf dem Programm stehen nach Plan der „Zeugen“ Schloss und Burggarten – aber auch die Geschichte der eigenen Glaubensgemeinschaft in der DDR.
Die Besuchergruppen werden am Montag und Dienstag, 17. und 18. August, erwartet. Damit ist Schwerin bis zum Ende des Rahmenprogramms am 18. August Teil des internationalen Treffens, zu dem insgesamt rund 5.000 Delegierte aus 25 Ländern nach Norddeutschland erwartet werden.
2000 von den Zeugen Jehovas werden nach Angaben der nicht unumstrittenen Glaubensgemeinsachft für Schwerin erwartet. Für viele der Gäste dürfte der Blick auf das Schweriner Schloss einer der Höhepunkte sein. Führungen für die etwas 2000 nach Schwerin reisenden „Zeugen“ sollen demnach durch das Schloss und den Thronsaal führen. Im Burggarten übernehmen historisch gekleidete Darsteller*innen einen Teil des Programms und erzählen von der Anlage und dem früheren höfischen Leben.
Hinter den Kulissen kümmern sich nach Angaben der Glaubensgruppe zahlreiche Ehrenamtliche um die Besucher*innen. Nach Angaben der Zeug*innen Jehovas haben Helfende aus den Gemeinden in und um Schwerin das Programm in den vergangenen Monaten vorbereitet. Rund 250 Freiwillige sind während der sechs Veranstaltungstage beteiligt.
Ausstellung zur eigenen Geschichte
Ein zweiter Schwerpunkt liegt an der Schweriner Straße im Süden der Stadt. Im Gemeindegebäude der Zeugen Jehovas steht eine zweisprachige Dokumentation über die Verfolgung der Glaubensgemeinschaft in der DDR. Der Titel: „Geleitet durch Glauben – handeln mit Mut“.
Die Macher setzen dabei bewusst auf eine möglichst authentische Atmosphäre. Alte Schreibmaschinen, ein Tonbandgerät, historische Fotografien, DDR-Möbel und Tapeten gehören zu den Exponaten. Dazu kommen Videointerviews und Gespräche mit Zeitzeugen. Rund 50 Freiwillige haben demnach die Inhalte nach Angaben der Organisatoren gemeinsam mit Historikern und Zeitzeugen recherchiert.
Die Geschichte dahinter sei real und gehöre zur DDR-Zeit. Die Zeugen Jehovas wurden 1950 in der DDR verboten. Ihre politische Neutralität und die Verweigerung des Wehrdienstes standen im Widerspruch zum SED-System. Nach Angaben der Glaubensgemeinschaft wurden mehr als 5.000 Mitglieder zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Staatssicherheit überwachte die Gemeinschaft, Mitglieder verloren Arbeitsplätze oder berufliche Möglichkeiten und wurden gesellschaftlich ausgegrenzt.
Die Dokumentation diese Geschichte ist aus der Perspektive der Zeugen Jehovas selbst. Sie ist, dies angemerkt, keine unabhängige historische Ausstellung. Das ist gerade bei einer Glaubensgemeinschaft relevant, die auch heute kontrovers diskutiert wird. Wer sich ein eigenes Bild machen will – ist gewiss als Gast willkommen.
Zur Einordnung: Ehemalige Mitglieder und Kritiker der Zeugen Jehova berichten von starkem sozialem Druck, strengen Regeln und erheblichen Schwierigkeiten beim Verlassen der Gemeinschaft. Auch die religiös begründete Ablehnung von Bluttransfusionen und der Umgang mit ehemaligen Mitgliedern stehen immer wieder in der öffentlichen Kritik. Die Zeugen Jehovas verweisen auf ihre religiösen Überzeugungen und weisen Kritik an ihrer Organisationsweise zurück.
In Schwerin bleibt es für die internationalen Besucher aber nicht bei Schloss und Zeitgeschichte. Rund um das Gemeindehaus gibt es Livemusik, Essen vom Grill und aus einem Foodtruck sowie Getränke von regionalen Lieferanten. Nach Angaben der Zeugen Jehovas finanzieren freiwillige Spenden das gesamte Angebot.
Der internationale Kongress, der hinter dem Schwerin-Besuch steht, beginnt heute in Hamburg. Vom 14. bis 16. August erwarten die Zeugen Jehovas im Volksparkstadion täglich rund 25.000 Menschen. 2000 davon werden in den nächsten Tagen nach Schwerin kommen.
Für Schwerin ist der Besuch vor allem eines: eine ungewöhnliche Begegnung von internationalem Tourismus, Glaubensfragen und deutscher Zeitgeschichte.
Inside Jehovas Zeugen | ARTE Re:














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