(stm/red)
Alati Authentic Greek Food gewinnt erneut für Mecklenburg-Vorpommern. Für das Schweriner Restaurant ist das ein Erfolg. Doch wir müssen hier deutlich zwischen dem Restaurant und dem Lieferdienst trennen: Der Award kommt von einer Plattform, deren Geschäftsmodell und Umgang mit Lieferpartnern seit Jahren für Kritik sorgen.
Eine Pressemitteilung des Uber-Presseteams erreichte am Mittwoch die Redaktion von schwerin.news. Die Nachricht: Alati Authentic Greek Food aus Schwerin hat das öffentliche Voting der Uber Eats Awards 2026 für Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Bundesweit sollen knapp 30.000 Menschen abgestimmt haben. Damit steht Alati zum zweiten Mal in Folge im Halbfinale. Das Voting war öffentlich. Man darf gratulieren, denn bei der Abstimmung wurde unter anderem nach Geschmack, Qualität, Zustand der Lieferung und Freundlichkeit der Lieferantinnen und Lieferanten gefragt.
Jetzt geht es gegen 15 weitere Restaurants um den Titel „Restaurant des Jahres 2026“. Vier Food-Creator besuchen die Halbfinalisten und wählen vier Finalisten aus. Im Finale in Berlin entscheidet eine Jury unter anderem mit Sternekoch Tim Raue und Janina Uhse. Der Sieger bekommt 40.000 Euro.
Das ist für Alati eine gute Nachricht. Punkt.
Denn das Restaurant kann nichts dafür, dass der Wettbewerb von Uber Eats veranstaltet wird. Zweimal hintereinander im Halbfinale zu landen, zeigt zumindest, dass Alati bei den Teilnehmern des Wettbewerbs und den Nutzern der Plattform gut ankommt. Es scheint zu schmecken, die Qualität stimmt. Doch es gibt ein Aber.
Nur sollte man den Titel richtig einordnen.
Kein unabhängiges Gütesiegel
Die Uber Eats Awards sind ein Unternehmenspreis. Uber Eats veranstaltet ihn selbst und zeichnet Restaurants aus dem eigenen Plattformumfeld aus. Das öffentliche Voting ist ebenfalls kein unabhängiger Restauranttest. Wer abstimmt, bewertet nicht zwingend Küche, Service und Qualität fachlich, sondern nach dem was „Daheim“ ankommt.
Und Uber Eats sitzt bei der Preisverleihung nicht nur am Rand: Im Finale gehört mit Lukas Erlebach sogar der Deutschland-Chef des Unternehmens zur Jury. Man bedenke: Alati ist kein Uber-Unternehmen, sondern ein Restaurant, das lediglich die Dienstleistung eines kumstrittenen (günstigen) Dienstleisters in Anspruch nimmt.
Das macht den Award nicht wertlos. Aber aus „Landessieger bei den Uber Eats Awards“ wird dadurch eben nicht automatisch das „beste Restaurant Mecklenburg-Vorpommerns“ – selbst wenn Alati das Zeug dazu hätte.
Kritik am Plattform-Modell
Die Kritik am Lieferdienst ist real. Recherchen von rbb und ARD beschäftigten sich mit den Arbeitsbedingungen bei Lieferdiensten und den dort eingesetzten Subunternehmen. Auch Uber Eats war betroffen. Berichtet wurde unter anderem über niedrige Löhne, Abzüge und problematische Arbeitsverhältnisse. Ähnliche Missstände und Konflikte mit Subunternehmen führten in Berlin zuletzt unter anderem bei Lieferando zu massiven Streiks und bitteren Auseinandersetzungen. Auch Fairwork kritisiert die Bedingungen in der Plattformwirtschaft. Im Deutschland-Ranking schnitt Uber Eats in der Vergangenheit regelmäßig schlecht ab. Die Politik beschäftigt sich inzwischen ebenfalls mit den Subunternehmerstrukturen. Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zur Plattformarbeit wird unter anderem ein mögliches Direktanstellungsgebot diskutiert.
Das Dilemma der Kunden
Ganz so einfach wie „böser Konzern, gute Restaurants“ ist die Sache trotzdem nicht. Das Geschäftsmodell funktioniert, weil Kunden es nutzen. Essen soll billig, schnell und bequem nach Hause kommen. Preis, Auswahl und Lieferzeit zählen – die Bedingungen, unter denen die Fahrer unterwegs sind, eher selten. Der Preisdruck entsteht also nicht nur bei Uber Eats. Restaurants wollen konkurrenzfähig bleiben, Kunden wollen möglichst wenig bezahlen und Plattformen möglichst viele Bestellungen vermitteln.
Das erklärt den Erfolg des Modells. Es entschuldigt aber nicht dessen Probleme.
Und Alati? Das Schweriner Restaurant hat in MV gewonnen – wahrscheinlich nicht, weil es die schlechtesten Fahrer hat, sondern weil die Menschen das Essen dort mögen. Es steht erneut im Halbfinale und hat die Chance auf 40.000 Euro und bundesweite Aufmerksamkeit. Das darf Alati feiern. Die Kritik an Uber Eats bleibt trotzdem berechtigt.
Denkt also bei der nächsten Bestellung daran, euren Uber-Eats-Fahrern vielleicht ein wenig mehr Trinkgeld zu geben.
Wer sich über Lieferdienste, auch Uber Eats informieren möchte, kann hier eine interessante Doku/ Reportage dazu ansehen:
Job beim Lieferdienst – wie Fahrer ausgebeutet werden | WISO














Was sagen Sie dazu?