Weniger Rechtsanwälte in Schwerin – Zahl sinkt

(stm/red/ PM)

Schwerin hat im bundesweiten Vergleich eine eher kleine Anwaltsdichte. Aktuell kommen hier durchschnittlich 2,3 Rechtsanwälte auf 1.000 Einwohner. Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl um 1,7 Prozent zurückgegangen. Bundesweit ist die Zahl dagegen leicht gestiegen.

Die Zahlen stammen aus einer aktuellen Auswertung der juristischen Lernplattform Jurafuchs. Dafür wurden 189.394 Einträge aus dem Anwaltsverzeichnis der Bundesrechtsanwaltskammer ausgewertet. Verglichen wurden die 200 größten deutschen Städte, außerdem wurden Namen und Fachanwaltstitel untersucht. Stichtag war der 15. Juli 2026.

Für Schwerin ergibt sich damit ein anderes Bild als für Deutschland insgesamt. Bundesweit stieg die Zahl der in der Untersuchung erfassten Rechtsanwälte um 0,6 Prozent. In knapp mehr als der Hälfte der untersuchten Städte – in 102 von 200 – ging sie allerdings zurück.

Frankfurt hat fast achtmal so viele Anwälte pro Einwohner

Wie unterschiedlich die Situation in Deutschland ist, zeigt der Blick auf die Spitzenreiter. Frankfurt am Main kommt auf 17,07 Rechtsanwälte je 1.000 Einwohner*innen. Dahinter folgen Düsseldorf mit 14,89 und München mit 11,88.

Schwerin liegt mit 2,3 auf 1000 Einwonerinnen deutlich darunter. Die Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns gehört damit nicht zu den Städten mit besonders hoher Anwaltsdichte.

Den stärksten Zuwachs verzeichnete Lahr im Schwarzwald. Dort stieg die Zahl gegenüber dem Vorjahr um 14,5 Prozent. Viersen legte um 7,6 Prozent zu, Nordhorn um 7,1 Prozent. In Delmenhorst waren es 6,8 Prozent, in Ravensburg 5,6 Prozent.

Am anderen Ende steht Neustadt an der Weinstraße mit einem Rückgang von 15,5 Prozent. Emden verlor 11,8 Prozent, Wilhelmshaven 10,8 Prozent. Langenfeld und Frankfurt (Oder) kamen jeweils auf minus 9,1 Prozent.

Auch die Zusammensetzung verändert sich

Die Anwaltschaft wird bundesweit nur langsam weiblicher. Nach der Jurafuchs-Auswertung lag der Anteil an Anwältinnen 2026 bei 39,1 Prozent. Im Vorjahr waren es 38,7 Prozent. Für Schwerin ist dabei eine interessante Entwicklung zu beobachten: In der vorherigen Jurafuchs-Auswertung lag der Anteil weiblicher Anwälte in der Stadt bei lediglich 23,7 Prozent. Schwerin gehörte damit bundesweit zu den Städten mit einem besonders niedrigen Frauenanteil.

Die aktuelle Mitteilung von Jurafuchs nennt für Schwerin allerdings keinen neuen konkreten Prozentwert. Ein direkter Vergleich der Schweriner Geschlechterverteilung 2025 zu 2026 ist deshalb anhand der jetzt veröffentlichten Pressemitteilung nicht möglich.

Auch die Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer zeigt langfristig einen Wandel. Zum 1. Januar 2026 waren bundesweit 167.547 Rechtsanwälte zugelassen. Darunter waren 63.507 Frauen. Im Vorjahr waren es insgesamt 166.504 zugelassene Rechtsanwälte und 62.514 Frauen.

Fachanwälte: Vergaberecht legt kräftig zu

Deutlich bewegt hat sich im vergangenen Jahr auch die Spezialisierung. Nach Angaben der Bundesrechtsanwaltskammer gab es zum 1. Januar 2026 insgesamt 47.436 Fachanwälte. Im Vorjahr waren es 46.148. Besonders stark nahm die Zahl der Fachanwälte im Vergaberecht zu: plus 9,11 Prozent. Dahinter folgen Migrationsrecht mit 5,97 Prozent und Informationstechnologierecht mit 4,68 Prozent. Rückgänge gab es dagegen unter anderem im Urheber- und Medienrecht mit minus 14,17 Prozent, im Transport- und Speditionsrecht mit minus 5,36 Prozent sowie im Sozialrecht mit minus 4,20 Prozent.

Jurafuchs kommt bei seiner eigenen Auswertung teilweise auf andere Veränderungsraten, weil dort die Einträge des Anwaltsverzeichnisses für den Städte- und Fachbereichsvergleich ausgewertet wurden. Jurafuchs nennt für das Vergaberecht ein Plus von 6,6 Prozent und für das Insolvenz- und Sanierungsrecht ein Plus von 5,2 Prozent.

Arbeitsrecht bleibt wichtigste Fachanwaltschaft

An der Spitze der Fachanwaltschaften steht weiterhin das Arbeitsrecht. Zum Jahresbeginn 2026 gab es bundesweit 11.253 entsprechende Fachanwaltstitel. Es folgen Familienrecht mit 8.314 und Steuerrecht mit 4.584 Titeln. Gerade beim Familienrecht ist die Entwicklung rückläufig: Im Vorjahr waren es noch 8.528 Titel. Auch die Zahl der Fachanwälte im Steuerrecht ging von 4.641 auf 4.584 zurück.

Insgesamt ist die Anwaltschaft also nicht einfach größer geworden. Vielmehr verschiebt sich ihre Struktur: Die Zahl der zugelassenen Rechtsanwälte steigt leicht, während klassische Einzelzulassungen zurückgehen und andere Formen der anwaltlichen Tätigkeit zunehmen. Die Bundesrechtsanwaltskammer zählte Anfang 2026 insgesamt 173.504 Mitglieder in den 28 Rechtsanwaltskammern – 1.420 mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Plus von knapp 1 % Prozent.

Für Schwerin bleibt damit vor allem die geringe Anwaltsdichte auffällig: 2,3 Rechtsanwälte kommen auf 1.000 Einwohner – und damit deutlich weniger als in den großen deutschen Anwaltsstandorten. Gleichzeitig ist die Zahl innerhalb eines Jahres um 1,7 Prozent gesunken.

Die vollständige Städteauswertung von Jurafuchs ist online abrufbar. Jurafuchs: Deutschlands Städte im Check


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