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Wenige Stühle, große Fragen: Was vom Abend über soziale Verteidigung bleibt
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Am Mittwochabend standen im Agenda Büro in der Severinstraße nur wenige Stühle im Raum – und nicht alle waren besetzt. Die Diskussionsrunde „Wehrhaft ohne Waffen“ zur sozialen Verteidigung zog keine Massen an. Aber die, die gekommen waren, blieben bis zum Ende – und stellten die Fragen, um die es eigentlich ging.

Der Impuls kam von Jochen Neumann – laut Veranstaltungsankündigung der Kampagne „Wehrhaft ohne Waffen“ –, der für den Bund für Soziale Verteidigung sprach; der Abend lief im Rahmen der Reihe „weltwechsel“ zu globalen Themen in Mecklenburg-Vorpommern – ein Verband, der selbst ein Stück Zeitgeschichte ist: 1988 versammelten sich rund 1.000 Menschen zu einer Tagung in Minden, 1989 wurde der Bund gegründet – nach eigener Darstellung des Verbandes unter Beteiligung von Persönlichkeiten der Friedensbewegung wie Petra Kelly und Theodor Ebert sowie Organisationen wie dem Versöhnungsbund, Pax Christi und Ohne Rüstung Leben. Heute zählt er rund 340 Einzelmitglieder und 32 Mitgliedsorganisationen. Zu seinen Meilensteinen gehören das Balkan Peace Team in den 1990ern und die Konzeption des Zivilen Friedensdienstes.

Der Kern der Idee blieb am Abend derselbe: Soziale Verteidigung meint nicht das Schützen von Grenzen, sondern das Verteidigen von Lebensweise – mit zivilem Ungehorsam, Streik und Verweigerung statt Waffen. Und die Geschichte liefert tatsächlich Beispiele, dass das funktionieren kann: 1920 brach der Kapp-Putsch in Berlin binnen Tagen zusammen, weil ein Generalstreik das Land lahmlegte; 1986 endete auf den Philippinen die Diktatur von Ferdinand Marcos in einer gewaltfreien Massenbewegung; 1989 trugen die Leipziger Montagsdemonstrationen den Umbruch in der DDR mit.

Aber gerade diese Beispiele führten in die schwierigsten Fragen des Abends: Was zählt überhaupt als soziale Verteidigung? Wäre auch der Widerstand gegen die Corona-Maßnahmen eine Form davon? Die Runde kam hier nicht zu einem abschließenden Urteil – und genau daran zeigte sich das Kernproblem: Gewaltfreiheit allein macht keine soziale Verteidigung. Es kommt auf das Ziel an: das Bewahren demokratischer und selbstbestimmter Lebensweisen, nicht deren Blockade.

Am Ende des Abends stand eine nüchterne Erkenntnis: Mit diesen Formen und Themen erreicht man heute keine Massen mehr – der Abend selbst war der Beweis. Was bleibt, ist der Gedanke, den die Anwesenden mitnahmen: die kleine Gruppe nicht als Mangel verstehen, sondern als Ausgangspunkt – sie aufbauen, vernetzen und dem Thema so nach und nach mehr Raum geben.

Lesen Sie dazu auch gerne: Wehrhaft ohne Waffen: Schwerin diskutiert, wie wir uns ohne Gewalt verteidigen können und Wehrhaft ohne Waffen: Heute Abend in Schwerin geht es um Verteidigung ohne Gewalt.

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Quellen: eigener Bericht vom Abend der Lokalen Agenda Westmecklenburg e.V. (14.10.2026); soziale-verteidigung.de. Historisches Foto: Unknown authorUnknown author (CC BY-SA 3.0 de), via Wikimedia Commons.

(red)

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