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Elternrat fordert Gratis-Schülerticket für ganz MV – in Schwerin wackelt die eigene Freifahrt
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In Schwerin steigen Schüler seit Jahren umsonst in Bus und Bahn. Genau dieses Modell soll jetzt Vorbild für das ganze Land werden – und ausgerechnet jetzt steht es in der Stadt selbst auf der Streichliste. Der Landeselternrat fordert, dass SPD, Linke und Grüne in ihren laufenden Koalitionsverhandlungen ein landesweit gültiges, kostenfreies Schülerticket vereinbaren. Es soll ganzjährig gelten, also auch am Wochenende und in den Ferien.

„Mobilität darf keine Preisfrage sein. Gerade in unserem Flächenland darf es nicht davon abhängen, in welchem Landkreis ein Kind lebt oder wie viel Geld die Familie zur Verfügung hat, ob es Schule, Sportverein, Freunde oder Freizeitangebote erreichen kann“, sagt Diana Zander, Vorsitzende des Landeselternrats. Die Mobilität junger Menschen müsse verbindlich auf die politische Agenda.

Der Rückhalt für die Forderung ist die Preisentwicklung: 2027 steigt das Deutschlandticket auf 66,80 Euro im Monat, das von Land MV bezuschusste D-Ticket Azubi auf 46,80 Euro. Für Familien mit mehreren Kindern wird die Fahrkarte zur festen Kostenstelle. Azubis, deren Berufsschule oft ein bis zwei Landkreise weiter liegt, brauchen das Ticket ohnehin. „Wir können nicht auf der einen Seite von Bildungschancen und Fachkräftesicherung sprechen und auf der anderen Seite junge Menschen bei der Mobilität alleinlassen“, so Zander.

Bislang ist Mecklenburg-Vorpommern ein Flickenteppich: In Rostock fahren Schüler im Stadtgebiet gratis, im Landkreis Ludwigslust-Parchim zahlen Familien 33 Euro, weil der Kreis 30 Euro der 63 Euro Deutschlandticket-Preises erstattet. Wo es solche Regeln nicht gibt, bleibt es beim vollen Tarif.

Und dann ist da die Landeshauptstadt. Wer in Schwerin zur Schule geht, hat es bundesweit gesehen gut: Ab der fünften Klasse fahren Schüler mit Wohnsitz in der Stadt kostenlos mit Bussen und Straßenbahnen, für Grundschüler der Klassen 1 bis 4 gibt es das kostenlose Schülerticket erneut zum Schuljahr 2026/2027. Doch im Haushaltsplanentwurf 2027/2028, den die Verwaltung mit einem Loch von 44,9 Millionen Euro für 2027 vorlegt, taucht ausgerechnet dieser Posten in der Sparliste auf: Die Streichung der städtischen Finanzierung des Schülernahverkehrs der Klassen 5 bis 13 würde rund 1,1 Millionen Euro bringen. Ein Vorschlag unter vielen – er widerspricht der bisherigen Beschlusslage der Stadtvertretung, beschlossen ist nichts.

Genau an diesem Punkt wird die Forderung des Landeselternrats konkret: Ein vom Land finanzierter, verlässlicher Schülerticket-Topf würde Kommunen wie Schwerin aus dem Zielkonflikt zwischen Haushaltsnot und Schülerfreifahrt holen. Erste im vergangenen November hatte die Stadt im Zuge der NVS-Krise bereits höhere Preise und einen dünneren Takt geprüft, damals stand sogar die Schülerfreifahrt zur Debatte.

Noch weiter geht die Bürgerinitiative „Freifahrt.Jetzt.Schwerin“: Sie will den kompletten Nahverkehr entgeltfrei machen – für alle, nicht nur für Schüler. Finanzieren will sie das Modell solidarisch: elf Euro monatlich pro Einwohnerin und Einwohner, acht Euro für Pendler, drei Euro für Übernachtungsgäste. Mehr als 2.200 Unterschriften übergab die Initiative im März als Einwohnerantrag an die Stadtvertretung, im Sommer beschloss das Gremium, dass der Oberbürgermeister mit dem Land über die rechtlichen Grundlagen sprechen soll. Der NVS hält das Modell zwar für ein starkes Signal für Teilhabe und Klimaschutz, warnt aber vor zu knapp kalkulierten Preisen und höheren Betriebskosten durch wachsende Nachfrage. Die Initiative argumentiert: Ein entgeltfreier Nahverkehr ermögliche gerade einkommensschwachen Menschen einen niedrigschwelligen Zugang zu Mobilität.

In den Wahlprogrammen der drei Verhandlungsparteien steckt bereits Bewegung: Die Grünen wollen das Deutschlandticket für alle unter 27-Jährigen komplett kostenfrei anbieten. Die Linke fordert kostenfreien Nahverkehr für alle unter 21 Jahren und will Azubi- und Seniorntickets auf 29 Euro deckeln. Die SPD lehnt Gratis-Angebote ab, will aber mit den Kommunen ein einheitliches MV-Jugendticket für Schüler und Azubis aushandeln. In ihrem Regierungsprogramm spricht sie selbst von einem „Flickenteppich an Regelungen“.

Die Koalitionsverhandlungen in Schwerin laufen seit Montag. Ob das Schülerticket den Weg in den Vertrag schafft, ist offen. Sollte es klappen, wäre aus dem Elternrat-Blickwinkel die Logik einfach: Was in Schwerin seit Jahren funktioniert, gehört landesweit abgesichert – und nicht alle zwei Jahre neu diskutiert.

Gelesen bei: Nordkurier und Schwerin-Lokal.

Foto: Tramhendi / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0.

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(red)

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