Nach mehr als 20 Jahren Planung: Schwerin will Siebendörfer Moor ab September revitalisieren

(stm/red)

Das Siebendörfer Moor soll wieder nasser werden. Die Stadt Schwerin bereitet nach jahrelangen Verfahren die Umsetzung einer großen Kompensationsmaßnahme vor. Der erste Spatenstich ist spätestens für September 2026 vorgesehen.

Im Siebendörfer Moor soll noch in diesem Jahr mit der Revitalisierung größerer Teilflächen begonnen werden. Das geht aus einer aktuellen Informationsvorlage der Landeshauptstadt Schwerin für die Stadtvertretung hervor. Demnach befindet sich die Ausführungsplanung derzeit in den Endzügen. Nach letzten Abstimmungen mit dem Wasser- und Bodenverband soll die Ausschreibung der Bauleistungen erfolgen. Der erste Spatenstich ist nach Angaben der Verwaltung spätestens für September 2026 vorgesehen. Die Bauzeit wird mit etwa sieben Monaten veranschlagt.

Hintergrund ist eine Kompensationsmaßnahme, die ursprünglich mit dem Bebauungsplan Nr. 39 „Industriepark Göhrener Tannen“ zusammenhängt. Weil die erforderlichen Ausgleichsmaßnahmen nicht vollständig im Bereich des Industrieparks umgesetzt werden konnten, wurden sie zu einer größeren Ersatzmaßnahme im Siebendörfer Moor gebündelt. Der entsprechende Grünordnungsplan stammt bereits aus dem Jahr 2003.

Das Niederungsgebiet des Siebendörfer Moores umfasst insgesamt rund 900 Hektar. Die eigentliche Kompensationsmaßnahme betrifft nach Angaben der Stadt etwa 250 Hektar. Ziel ist es, Niedermoorkomplexe zu revitalisieren, Intensivgrünland in eine extensiver genutzte Wiesenlandschaft umzuwandeln und den Wasserstand durch vorhandene sowie neue Staue anzuheben.

Der Weg bis zur Umsetzung war lang. Bereits 2007 begann ein Planfeststellungsverfahren für die Kompensationsmaßnahme. Dieses wurde jedoch unter anderem wegen Einwänden aus Umlandgemeinden ausgesetzt. 2017 wurde das Vorhaben neu aufgerollt. Beteiligt waren unter anderem die Stadt Schwerin, der Landkreis Ludwigslust-Parchim, der Wasser- und Bodenverband „Schweriner See-Obere Sude“ sowie Vertreter der Gemeinden Pampow und Klein Rogahn. 2022 lag ein überarbeiteter Planentwurf vor. 2024 erging schließlich der Planfeststellungsbeschluss der Unteren Wasserbehörde der Landeshauptstadt Schwerin.

Nach Angaben der Verwaltung war der Planungsaufwand hoch. Neben wasserrechtlichen Fragen lief zwischen 2013 und 2023 auch ein Bodenordnungsverfahren. Ziel war es, Flächen zusammenzuführen und durch zusätzliche Ankäufe die Kompensationsfläche vollständig in städtisches Eigentum zu bringen. Außerdem mussten Erkenntnisse des Munitionsbergungsdienstes laufend in die Planung einbezogen werden. Dabei wurden auch Munitionssondierungen vorgenommen sowie Blindgänger entschärft beziehungsweise gesprengt.

Die geplante Umsetzung ist als Kompromiss zwischen Moorschutz und landwirtschaftlicher Nutzung angelegt. Ein Großteil der bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen soll auch nach der Maßnahme weiter nutzbar bleiben. In bestimmten Bereichen, vor allem rund um die Torfstiche, ist dagegen die Entwicklung einer strukturreichen, weitgehend ungenutzten Moorlandschaft vorgesehen. Dort sollen Wasserstände flurnah oder teilweise über Flur eingestellt werden.

In der sogenannten Moorstabilisierungszone ist eine moorschonende, extensive Grünlandnutzung auf rund 114 Hektar vorgesehen. Auf weiteren gut sechs Hektar sollen feuchte bis nasse Bruchwälder entstehen. In der Schutz- und Pufferzone ist eine mäßig intensive bis extensive Grünlandnutzung auf etwa 14 Hektar geplant. Zudem sollen Saumstreifen entwickelt werden.

Die Stadt verweist in der Vorlage auch auf die Klimawirkung der Maßnahme. Moorböden setzen bei Entwässerung erhebliche Mengen klimaschädlicher Gase frei. Werden sie wieder stärker vernässt, können Zersetzungsprozesse im Torfkörper verringert werden. Laut Vorlage wird für die Projektfläche eine Einsparung von rund 21.800 Tonnen CO₂-Äquivalenten über einen Zeitraum von 50 Jahren erwartet.

Für die offizielle Klimabilanz der Landeshauptstadt Schwerin hat das Projekt allerdings nur eine ergänzende Bedeutung. Die Stadt bilanziert ihre Treibhausgasemissionen nach der BISKO-Methodik. Die Speicherpotenziale des Siebendörfer Moores werden dabei nicht als regulärer Bestandteil der kommunalen Bilanz abgebildet, sondern als zusätzlicher Beitrag des natürlichen Klimaschutzes eingeordnet.

Parallel laufen nach Angaben der Verwaltung über die Mooragentur des Landes Mecklenburg-Vorpommern Vorüberlegungen, künftig das gesamte Siebendörfer Moor als größeres Wiedervernässungsprojekt zu betrachten. Hintergrund sind mögliche Entschädigungs- und Fördermöglichkeiten für Landbewirtschafter und Flächeneigentümer. Der bereits vorliegende Planfeststellungsbeschluss soll davon unabhängig noch in diesem Jahr umgesetzt werden.

Hier kann die aktuelle Informationsvorlage eingesehen und heruntergeladen werden:


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