Dürre? Welche Dürre? Die Kommentarspalten nach dem Drachenboot-Feuerwerk.

(stm/red)

Nach dem Feuerwerk beim Drachenbootfestival wurde in sozialen Netzwerken ordentlich ausgeteilt. „Unverantwortlich“, „bei dieser Dürre“, „Waldbrandgefahr“ – dazu kamen teilweise Beleidigungen und ein Ton, der mit einer sachlichen Diskussion nicht mehr viel zu tun hatte. Das Ärgerliche daran: Ausgerechnet das Dürre-Argument hält einem Blick auf die regionalen Daten nicht stand, wer von Dürre gesprochen hat, hat schlicht nicht aufgepasst.

Natürlich kann man Feuerwerk kritisieren. Man kann den Lärm fürchterlich finden, sich um Tiere sorgen oder grundsätzlich der Meinung sein, dass solche Feuerwerke nicht mehr zeitgemäß sind. Alles völlig legitim.

Nur: Wer anderen Menschen wegen eines Feuerwerks gleich Unverantwortlichkeit vorwirft oder sie beleidigt, sollte zumindest wissen, worüber er eigentlich spricht. Der Dürremonitor zeigt derzeit (und auch rückblickend auf die vergangenen 14 Tage) für die Schweriner Region gerade nicht jene dramatische Situation, die in manchen Kommentaren suggeriert wurde. Während andere Regionen Deutschlands deutlich von Trockenheit betroffen sind, gehört Schwerin zu den Bereichen, die auf der aktuellen Karte sehr unauffällig erscheinen. Deutschland ist nun einmal kein einziger großer, gleichmäßig ausgetrockneter Landstrich. Die Dürre ist real – aber sie ist nicht automatisch überall.

Dürre im Umkreis Schwerin beim Feuerwerk? Welche Dürre? Bildquelle: Dürremonitor Deutschland – Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ

Noch deutlicher wird es beim Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes. Der lag im Schweriner Raum seit Freitag bei Stufe 2 – geringe Waldbrandgefahr. DWD: Waldbrandgefahrenindex Das ist keine Null-Risiko-Garantie, Feuer bleibt Feuer. Aber zwischen „geringe Waldbrandgefahr“ und „unverantwortliches Feuerwerk mitten in einer Dürre“ liegt nun einmal ein ziemlich großer Unterschied.

Und dann sollte man vielleicht auch noch schauen, wo das Feuerwerk überhaupt stattfand: über dem Schweriner Pfaffenteich, mitten in der Stadt und nicht irgendwo in einem trockenen Wald. Rundherum gibt es selbstverständlich Bäume und Grünflächen, aber die Situation ist mit Pyrotechnik an einem trockenen Waldrand kaum vergleichbar. Auch beim Material hat sich einiges verändert; bei den heute üblichen Feuerwerkskörpern werden vielfach Papier und Pappe verwendet, große Mengen Plastik sind nicht der Regelfall.

Das macht Feuerwerk natürlich nicht plötzlich ökologisch. Es zeigt aber, dass auch hier eine sachliche Betrachtung sinnvoller ist als die pauschale Katastrophenerzählung. Und ja: Tiere sind ein durchaus berechtigter Kritikpunkt. Der Lärm und die plötzlichen Lichtblitze können für Vögel und andere Tiere erheblichen Stress bedeuten. Wer deshalb gegen das Feuerwerk ist, hat ein nachvollziehbares Argument. Auch über Lärm, Feinstaub, Müll oder die grundsätzliche Frage, ob das Feuerwerk noch zeitgemäß ist, kann man diskutieren.

Nur sollte man eben über die tatsächlichen Argumente diskutieren. Das Feuerwerk beim Drachenbootfestival ist seit Jahren Bestandteil der Veranstaltung und damit auch ein Stück Festivaltradition. Gleichzeitig hat Schwerin in diesem Jahr ohnehin deutlich weniger Feuerwerke erlebt als noch in vergangenen Jahren. Es geht also nicht um eine Stadt, die jeden zweiten Abend den Himmel über dem Pfaffenteich in Brand setzt. Was unter dem Beitrag teilweise daraus gemacht wurde, war deshalb schon bemerkenswert:

Menschen wurden beleidigt und beschimpft, während mit einer Dürre argumentiert wurde, die in der Schweriner Region auf der entsprechenden Karte gerade nicht das große Thema war.

Das ist der Punkt, an dem Kritik in Stimmungsmache kippt. Man darf Feuerwerk scheiße finden. Man darf sich über den Lärm ärgern. Man darf wegen der Tiere dagegen sein. Man darf sogar fordern, dass Schwerin künftig komplett darauf verzichtet. Aber man sollte nicht aus einer regional völlig anders gelagerten Wetterlage eine Dürrekatastrophe in Schwerin basteln und anschließend Menschen beschimpfen, die das Feuerwerk trotzdem veranstaltet oder besucht haben.

Ein Blick auf die Daten hätte gereicht. Die Dürre-Keule war für dieses Feuerwerk jedenfalls ziemlich daneben – und der Umgangston in Teilen der Kommentarspalten gleich mit.


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