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Das Komplex sollte brennen: Ein Projekt erfährt vom Anschlag, nicht vom Staat
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(red) Das Komplex in der Paffenstraße sollte am 6. Juni 2026 in Brand gesteckt werden. Erfahren hat das Projekt davon nicht von der Polizei, sondern diese Woche aus antifaschistischen Netzwerken. Die Behörden haben den Vorgang bis heute nicht bestätigt.

In einem am Freitag veröffentlichten Statement schreibt das Wohn- und Kulturprojekt, ihm sei zugetragen worden, dass Jugendliche das Haus anstecken wollten. Diese Jugendlichen hätten sich zu Gruppen zusammengefunden und seien seit Monaten von antifaschistischen Netzwerken beobachtet worden. Zum geplanten Tatzeitpunkt seien die Angreifer in der Nähe des Hauses gewesen und von der Polizei aufgegriffen worden. Sie hätten eine Gefährderansprache und einen Platzverweis bekommen, der Anschlag sei dadurch nicht ausgeführt worden. Bis heute, so das Projekt, habe es keine Information der Sicherheitsbehörden über einen geplanten Anschlag auf das eigene Haus erhalten.

Der Hintergrund ist eine Gruppe, die seit Wochen die Ermittlungsbehörden beschäftigt. Am 30. Oktober 2026 stoppten Antifaschisten in Wahlstedt in Schleswig-Holstein einen 15-Jährigen, der nach den bisherigen Ermittlungen mit einem Benzinkanister zu einer Geflüchtetenunterkunft in Winsen (Luhe) fahren wollte. Er sitzt in Untersuchungshaft. Ein zweiter Beschuldigter, ein 19-Jähriger aus Winsen, wurde durchsucht, sein Handy beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaften Flensburg und Lüneburg ermitteln nach Angaben der taz mit zusätzlichem Personal.

Die Gruppe nannte sich „Terror 18″, angelehnt an die rechtsterroristische Organisation Combat 18, und organisierte sich in einem geschlossenen WhatsApp-Kanal. Nach den Recherchen der taz und der Antifa-Recherchegruppe Exif wurde sie im September von mehreren Jugendlichen gegründet, darunter Dwayne S. aus einem Dorf bei Schwerin. Er hatte zuvor die rechtsextremen Gruppen Division Schwerin und Sturm Nord beworben und online damit angegeben, Linke „jagen“ zu wollen. In den Chats schlug er nach Angaben der taz vor, ein alternatives Wohnprojekt in Schwerin „anzuzünden“, und postete das Bild eines Hauses mit dem Hinweis auf das „nächste linke Opfer“. Die taz schreibt, beide Pläne seien am Ende nicht umgesetzt worden.

Ein weiterer Schweriner, der in den Chats auftaucht, ist Amon G. Sein Großvater war nach taz-Angaben NPD-Stadtrat in der Schweriner Stadtvertretung. Amon G. wird in den Chats mit Gewaltdrohungen zitiert, er zeigte sich im AfD-Shirt bei einer Kundgebung der Landespartei im August in Schwerin und beim Wahlkampfabschluss der AfD in Mecklenburg-Vorpommern. Die AfD ließ eine Anfrage der taz zu ihm unbeantwortet. Nach der Festnahme des 15-Jährigen postete er einen Aufruf zu dessen Freilassung und den Spruch „Macht und Ehre T 18″.

Was belegt ist und was nicht: Belegt sind die Gruppe, die Chatprotokolle mit Anschlagsplänen auf eine Geflüchtetenunterkunft und die laufenden Ermittlungen. Nicht belegt ist, dass am 6. Juni in Schwerin ein Anschlag unmittelbar bevorstand. Diese Darstellung stützt sich auf Informationen, die das Komplex von antifaschistischen Netzwerken erhalten hat, und auf die Beobachtung der Gruppen über Monate. Eine Bestätigung von Polizei oder Staatsanwaltschaft gibt es dafür bislang nicht.

Für die genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Dwayne S., Amon G. und die weiteren Genannten sind nicht verurteilt. Gegen den beschuldigten 15-Jährigen läuft ein Verfahren, er sitzt in Untersuchungshaft.

Das Komplex fordert konsequente Aufklärung der Anschlagspläne, die Zerschlagung der Netzwerke dahinter und wirksamen Schutz für bedrohte Menschen, Geflüchteteneinrichtungen und Projekte. Die Bundesanwaltschaft solle die Ermittlungen an sich ziehen. Für das Haus selbst heißt das: Sicherheitskonzepte anpassen, zusammenhalten, sich nicht einschüchtern lassen.

Bemerkenswert bleibt der Weg der Information. Ein antifaschistisches Projekt in Schwerin muss sein Haus selbst schützen und erfährt von einem geplanten Anschlag auf genau dieses Haus aus einem Netzwerk, nicht von der Behörde, die dafür zuständig wäre.

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