(red) Am Montag öffnet die Bundeswehr zum dritten Mal in der Marienplatz-Galerie. 25 Dienststellen, eine Patriot-Starterbatterie vor dem Haus, ein Karrierecenter für Bewerbungen. Ab 17 Uhr stellen sich die ersten Mahnwachen davor.
„Schwerin in Grün“ läuft vom 9. bis 14. November. Mit dabei sind zivile und militärische Dienststellen, angekündigt sind Vorführungen der Sanitätskräfte und der Spezialkräfte, ein Bundeswehr-Quiz, Einblicke ins Gerät. Vor dem Center steht eine Starterbatterie des Systems Patriot. Wer will, kann sich im Karrierecenter beraten lassen, in Uniform oder in Zivil.
Im Grußwort schreibt Ulrich Reineke, Flottillenadmiral und Kommandeur des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern, das Motto der Woche: „Frieden ist unser Auftrag.“ Er lädt ausdrücklich ein, kritisch zu hinterfragen, und bedankt sich bei den Verantwortlichen der Galerie.
Kritik an der Bundeswehr nicht unberechtigt
Zu dem Auftritt gehört eine Zahl, die nicht im Programm steht. Der Wehrbeauftragte des Bundestages registrierte 2025 bei der Truppe 17 Selbsttötungen und 57 Versuche. Das Verhältnis ist bemerkenswert: In Deutschland kommen auf einen vollendeten Suizid schätzungsweise zehn bis zwanzig Versuche, in der Bundeswehr sind es 3,4. Je weniger Versuche auf einen Todesfall kommen, desto häufiger endet der Versuch tödlich.
Dazu kommen die einsatzbedingten psychischen Erkrankungen: 2024 wurden 235 neu diagnostiziert, 131 davon eine Posttraumatische Belastungsstörung. Die Bundeswehr hält die Zahlen für relativ konstant und verweist auf eine eigene Studie, nach der psychische Erkrankungen bei Soldaten mit rund 20 Prozent seltener auftreten als in der Gesamtbevölkerung mit 28 Prozent. Die Statistik erfasst allerdings nur, wer sich in einer Bundeswehreinrichtung behandeln lässt.
Gegenseite formiert Protest
Die Gruppe der Kritiker der öffentlichen zur Schaustellung ruft zu Sondermahnwachen von Montag bis Freitag dieser Woche auf, jeweils 17 bis 19 Uhr auf dem Marienplatz, von Montag bis Mittwoch am Eingang der Sparkasse, am Donnerstag und Freitag am Eingang der Barmer. Motto: „Schwerin in Olivgrün – Nie wieder!“
Ihre Forderungen: keine neue Wehrpflicht, keine Bundeswehrwerbung in der Öffentlichkeit, keine Bundeswehr an Schulen und Universitäten, eine Bundeswehr zur Verteidigung nach dem Grundgesetz ohne Auslandseinsätze.
Nach Angaben der Veranstalter soll die Ausstellung am Montag um 14 Uhr offiziell eröffnet werden, nach ihrer Information durch den Bundesverteidigungsminister. Bestätigt ist das bislang nicht. Sie rufen dazu auf, sich friedlich vor dem Eingang zu versammeln, „zurückhaltend, ohne große Symbolik“, und halten dem Minister einen Blick auf die Uhr entgegen: In Teterow habe er den Hintereingang genommen.
Das Format ist nicht neu, und der Ablauf ist eingeübt. 2024 gastierte die Bundeswehr vom 11. bis 16. November in derselben Galerie, damals zum 69. Gründungstag. Am 12. November 2024 protestierten Mitglieder von „Aufstehen Schwerin“ und des Friedensbündnisses Schwerin vor dem Center und wollten einen offenen Brief an das Management übergeben. Das Center nahm ihn nach Angaben der Aktiven nicht an und verwies auf die Pressestelle.
Die Bundeswehr beschreibt ihren Auftritt als Kontakt mit der Bevölkerung und als Einblick in ihre Aufgaben. Für Laufbahnfragen steht ein Karrierecenter bereit. Genau darin liegt der Streit: Für die einen ist das Aufklärung, für die anderen Anwerbung. Wer vor der Galerie steht, wird an fünf Abenden die Gegenposition hören. Der Aufruf von Aufstehen Schwerin steht online.
Lesen Sie dazu auch gerne:
🌐 Beitrag übersetzen
🌐 Übersetzen – kostenlos, automatisch


















Geben Sie hier ihren Senf dazu ab.