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Adju, maxpress, hauspost: Schwerins Filzproblem ist größer als eine Personalie

(red/stm/Kommentar)

Die Stadt versucht, den Fall Adju/ZGM kleinzureden. Doch es geht nicht um eine einzelne Werkleiterstelle. Es geht um ein Geflecht aus kommunalen Aufträgen, Anzeigen, Beratung, Wahlkampf und persönlicher Nähe. Und um die Frage, ob der Schweriner Steuerzahler seit Jahren ein Netzwerk mitfinanziert, das viel zu lange viel zu wenig hinterfragt wurde.

Die Antworten der Stadt klingen wie Beruhigungspillen. Kein Hinweis. Keine Prüfung. Kein Compliance-Fall. Der Unternehmer sei ja nicht Geschäftsführer der Beratungsfirma. Alles halb so wild.

Nein. Ist es nicht.

Denn genau so wird der Kern vernebelt. Es geht in erster Linie nicht nur darum, wer Geschäftsführer ist. Es geht darum, wer beteiligt ist. Wer wirtschaftlich profitiert. Wer Aufträge bekommt. Wer kommunale Anzeigen verkauft. Wer Wahlkämpfe begleitet. Und wer gleichzeitig im Umfeld einer Firma auftaucht, die bei der Besetzung städtischer Spitzenposten mitmischt.

Im Zentrum stehen Adju, maxpress und hauspost. D. König führt Adju. Holger Herrmann steht für maxpress und hauspost. Nach öffentlich bekannten Angaben hält Herrmann Anteile an Adju. König ist seine Schwester. Zugleich schalten nahezu alle kommunalen Unternehmen und Eigenbetriebe Anzeigen in der hauspost. Maxpress war zudem im Oberbürgermeisterwahlkampf für Sebastian Ehlers tätig. Bei Maxxpress und bei Adju arbeitet zudem mindestens eine Personen die in beiden Unternehmen im Bereich Kommunikation aktiv ist.

Das ist kein Randdetail. Das ist der eigentliche Skandal.

Keine Prüfung, obwohl Überschneidungen bekannt waren

Die Stadt hat gegenüber schwerin.news bestätigt: Vor der Beauftragung von Adju wurde nicht geprüft, ob mögliche Interessenkonflikte bestehen. Nicht ein bisschen. Nicht vertieft. Gar nicht.

Und das obwohl die Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung (GBV) genau bei derartigen Vorgängen die Augen offen halten soll. Stattdessen hat die GBV selbst Leistungen von Adju bezogen. Laut Stadt in 2023/2024 für Durchführung einer 2-tägigen Schulungsveranstaltung für Führungskräfte mit 10 bzw 11 Geschäftsführungen Werkleitungen für insgesamt knapp 9000 EUR. Diese Kosten wurden auf alle Teilnehmenden aufgeteilt. Auch 2024 GBV: Durchführung einer Kompetenzdiagnostik und Erstellung eines Kompetenzprofils für eine Nachwuchs-Führungskraft für netto 1.688 EUR.

Gleichzeitig räumt die Stadt ein, dass Überschneidungen im Umfeld von Adju, maxpress, hauspost und weiteren Strukturen teilweise bekannt waren. Damit ist die zentrale Frage nicht mehr, ob die Verwaltung etwas wusste. Die zentrale Frage lautet: Warum wurde trotz bekannter Überschneidungen nicht geprüft? Wer bei einem sensiblen Chefposten eine externe Beratungsfirma einschaltet, muss vorher klären, ob diese Firma unabhängig ist. Alles andere ist fahrlässig — politisch mindestens.

Kommunales Geld fließt ins Anzeigenumfeld

Besonders brisant: Nach Angaben der Stadt schalten mit Ausnahme weniger Unternehmen derzeit nahezu alle kommunalen Unternehmen und Eigenbetriebe Anzeigen in der hauspost. Eine Seite kostet aktuell rund 2.200 Euro.

Das heißt: Aus dem kommunalen Konzernen fließt regelmäßig Geld in ein Medienumfeld, das mit maxpress, einen Privatunternehmen, verbunden ist.

Auch das allein wäre vielleicht noch erklärbar. Aber nicht in dieser Kombination: Anzeigen aus kommunalen Unternehmen, Wahlkampf für den späteren Oberbürgermeister, Beteiligung an einer Beratungsfirma, Aufträge für Coachings und Kompetenzdiagnostik, Einsatz bei sensiblen Personalfragen. Wer das alles nur als Zufall betrachtet, will nicht hinschauen. Die Aussage von Oberbürgermeister Ehlers gegenüber dem Nordkurier, es handel sich um ein Kommunikationsdefizit – wirkt hier lächerlich. An „Kommunikation“ lag es hier nicht.

Die Stadt schützt das System durch Wegsehen

Die Verwaltung argumentiert, es habe zunächst keinen Hinweis nach dem Hinweisgeberschutzgesetz gegeben. Deshalb sei auch nicht geprüft worden. Das ist bequem. Und es ist viel zu wenig.

Compliance bedeutet nicht, erst dann aufzuwachen, wenn jemand ein Formular einreicht. Compliance bedeutet, Risiken zu erkennen, bevor sie öffentlich zum Problem werden. Gerade wenn persönliche, wirtschaftliche und politische Nähe zusammenkommen, muss die Verwaltung von selbst genauer hinsehen. Doch genau das ist offenbar nicht passiert.

Stattdessen wird beschwichtigt. Es wird formalisiert. Es wird verengt. Der Beteiligte sei ja nur stiller Gesellschafter. Die Überschneidungen seien nur teilweise bekannt gewesen. Eine gesonderte Prüfung sei nicht nötig. Das ist keine Aufklärung.

Der neue Oberbürgermeister muss liefern

Sebastian Ehlers kann diesen Vorgang nicht einfach aussitzen. Maxpress war in seinem Wahlkampf tätig. Gleichzeitig steht maxpress im kommunalen Anzeigenumfeld. Und über Adju geht es nun auch um Beratung bei Führungsfragen im Stadtkonzern. Gerade deshalb braucht es maximale Transparenz.

Der neue Oberbürgermeister Sebastian Ehlers muss offenlegen lassen, welche kommunalen Aufträge, Anzeigenbuchungen, Beratungsleistungen und Coachingprozesse in den vergangenen Jahren an Adju, maxpress, hauspost und verbundene Strukturen gingen. Auch, oder gerade weil eben jene Agentur maßgeblich seinen Wahlkampf gesteuert und strategisch geleitet hat.

Nicht scheibchenweise. Nicht nach Gutdünken. Vollständig. Bleibt die lückenlose Aufklärung rund um Hauspost, Maxpress, Adju offen – wird sich der Eindruck – hier würde die von Ehlers beauftragte Wahlkampfagentur geschont nicht vermeiden lassen.

Schluss mit Beruhigungspillen

Der Fall Adju/ZGM zeigt ein Grundproblem in Schwerin: Zu viele Entscheidungen bleiben im Halbdunkel. Zu viele Verbindungen werden erst sichtbar, wenn Medien nachfragen. Zu oft heißt es hinterher: formal alles in Ordnung. Aber Demokratie braucht mehr als Formalien. Sie braucht Vertrauen.

Und Vertrauen entsteht nicht, wenn Verwaltung und kommunale Unternehmen immer wieder mit denselben privaten Strukturen zusammenarbeiten, während niemand ernsthaft prüft, ob daraus Interessenkonflikte entstehen. Die Stadt muss jetzt alles auf den Tisch legen.

Denn solange nicht klar ist, wie viel kommunales Geld in dieses Umfeld geflossen ist, bleibt der Eindruck bestehen: Hier verdienen einige wenige erstaunlich gut an Schwerin — und die Verwaltung schaut bisher weitgehend weg.

Randnotiz/Teaser:

Schaut man sich dann noch an, das Adju als ZGM Werksleitung jemande empfohlen hatte, die seit August vergangenen Jahres die Koordination im Büro des Baudezernenten Nottebaum als Angestellte übernommen hatte, hat man eine weitere Randnotiz. Aber dazu in einem kommenden Beitrag mehr.


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11 Antworten zu „Adju, maxpress, hauspost: Schwerins Filzproblem ist größer als eine Personalie“

  1. Avatar von Redaktion

    Vielen Dank für Ihre Hinweise.

    In den meisten Fällen wird – sofern es nicht versehentlich vergessen wird – im jeweiligen Beitrag angegeben, dass es sich um ein KI-generiertes Bild handelt. Gelegentlich kommt es jedoch vor, dass ein Bild später erneut aus unserem Archiv verwendet wird und die entsprechende Kennzeichnung dabei nicht übernommen wird.

    Wir werden dieses Thema in der nächsten Redaktionssitzung besprechen und prüfen, ob wir KI-generierte Bilder künftig direkt im Bild kennzeichnen.

    Ihre Kritik hinsichtlich der politischen Einordnung einzelner Autoren nehmen wir teilweise auf. Grundsätzlich reicht die Kennzeichnung als „Kommentar“ aus. Aus welcher politischen Perspektive ein Beitrag verfasst wurde, ergibt sich in der Regel aus dessen Inhalt.

    Schauen Sie sich dazu gerne unser kleines Update an: https://schwerin.news/kontakt-und-impressum/ Beste Grüße (stm).

  2. Avatar von
    Anonymous

    Ein Wort zur eigenen Transparenz. Ihr verlangt von der Stadt lückenlose Aufklärung in vielen Fällen und das zu Recht. Nur sollte derselbe Maßstab auch für euch selbst gelten.Zum einen die Bilder. Eure KI-Leitlinie sagt, ihr kennzeichnet generierte Bilder sichtbar und lasst echte fotojournalistische Aufnahmen unangetastet. Bei der Berichterstattung zur OB-Stichwahl stimmt das nicht. Die Aufmacher sind KI-erzeugt, man muss dafür nicht mal ins Bild schauen, es reicht der Dateiname, der mit „whisk“ beginnt. Ein Hinweis direkt am Bild fehlt. Bei einer Wahlnachricht ist das kein Randdetail.

    Es ist zumindest positiv anzuerkennen, dass ihr in den letzten Wochen an euren Richtlinien gearbeitet habt, da gibt’s aber weiteres Potenzial.

    Zum anderen die Frage, wer hier schreibt. Ein Teil eurer kommunalpolitischen Beiträge kommt wie erwähnt von Leuten, die selbst über die ASK in der Stadtvertretung saßen oder sitzen. Die ASK ist eine Wählergemeinschaft, unparteiisch und neutral ist sie deshalb nicht. Sie tritt zu Wahlen an und hat eine eigene OB-Kandidatin aufgestellt. Wer aus dieser Nähe heraus über die Stadt, die Stadtvertretung und über andere Fraktionen berichtet, hat einen Interessenkonflikt, den die Leser nicht auf den ersten Blick sehen können.

    Beides ließe sich leicht beheben. Schreibt an ein KI-Bild dran, dass es eins ist und schreibt klar ersichtlich dazu, wenn ihr über Themen berichtet, in denen ihr selbst politisch drinsteckt oder ihr diese Themen aus eurer politischen Meinung heraus genauer beleuchtet.

  3. Avatar von ZGM-Chefposten: Neue Brisanz durch Lebenslauf der Werkleiterin – schwerin.news

    […] Adju, maxpress, hauspost: Schwerins Filzproblem ist größer als eine Personalie […]

  4. Avatar von
    Anonymous

    Nordkurier Interview OB Sebastian Ehlers zur Sache neuer Werkleiter ZGM: „Externe Beratung ist sinnvoll, gerade wenn die Firmen das kommunale Unternehmen bereits kennen. Wir werten das Ganze im Nachgang noch aus.“

    Das Ganze z.B auch in Bezug auf mögliche Verträge der kommunalen Unternehmen für PR Public Relations von maxpress-Firmen?

    Das Ganze z.B. auch in Bezug auf Events der kommunalen Unternehmen? Ggf. die maxpress verwaltungs GmbH? Verwaltung klingt langweilig. Gegenstand des Unternehmens: Übernahme der persönlichen Haftung und der Geschäftsführung bei Personenhandelsgesellschaften, insbesondere die Beteiligung als persönlich haftende Gesellschafterin (Komplementärin) an der maxpress agentur für kommunukation GmbH & Co. KG, – die Unternehmensberatung, Erstellung von Marketing-, Medien- und Strategiekonzepten, Vermarktung, Organisation, Durchführung von PR, Werbung, Promotion und Events – zum Gegenstand hat.

    Die maxpress verwaltungs GmbH ist als übernehmender Rechtsträger mit der mmde – marketing, messeberatung design GmbH mit Sitz in Schwerin verschmolzen worden.

    Ist es eine sparsame Haushaltsführung der kommunalen Unternehmen, wenn bei Events bis zweihundert Euro pro teilnehmenden Mitarbeiter ausgegeben werden? Und die „Vergabe“ an Firmen erfolgen, die das kommunale Unternehmen bereits kennen?

    Mal sehen was die gnadenlos-lückenlose Auswertung des OB bringt.

  5. Avatar von
    Anonymous

    Es geht auch um „Kopfbox Kollektiv für nachhaltige Entwicklung e.V.“ Schwerin. Auf der Seite des Vereins kopf-box.de wird als Vorsitzender Jens Hartmann angegeben ebenso im Impressum. Sitz des Vereins 19061 Schwerin Stadionstr. 1.

    Das ist eine falsche Angabe im Impressum. Das kann kostenpflichtige Abmahnungen durch Mitbewerber über Unterlassungserklärungen bis hin zu hohen Geldbußen durch Aufsichtsbehörden nach sich ziehen. Aus dem Vereinsregister des Amtsgerichtes Schwerin wurde mit Eintragung vom 11.11.2024 ! bekanntgegeben, Herr Hartmann ist nicht mehr Vorstand. Bestellt 2024 als Vorstand Andreas Kondler. Wird im Impressum nicht angegeben.

    Herr Kondler ist auch neben Dorette König Geschäftsführer der Adju Kompetenzentwicklung GmbH. Zum Team von Adju und Kopfbox gehört auch Janine Pleger sowie Dorette König zum Team Kopfbox.

    Welche Leistungen hat Kopfbox oder die Experten für kommunale Unternehmen erbracht? Die Entwicklung eines Leitbildes, die Meinungsfeststellung der Mitarbeitenden in 2tägigen Seminaren? Könnte vielleicht ein Tageshonorar von über tausend Euro sein? Bei der Notwendigkeit und Mitarbeiteranzahl über vierzigtausend Euro?

    Die Gesellschaft für Beteiligungsverwaltung GBV Schwerin ist auch für die Revision und Sonderprüfung in der LH Schwerin verantwortlich. Eigen- und Beteiligungsgesellschaften ohne eigenständige Revision haben gemäß Public Corporate Governance Kodex eine Interne Revision im Unternehmensverbund zu nutzen. Aus diesem Grund wurde die Stelle „Revision und Sonderprüfung“ bei der GBV geschaffen. Zusätzlich nimmt die Revision der GBV auch Sonderprüfungen, bspw. bei Verdacht doloser Handlungen, wahr. Teilt so die GBV mit.

    Läuft schon die Sonderprüfung?

  6. Avatar von
    Anonymous

    Ich weiß warum ich Ehlers nicht gewählt habe. Erst Lankow, dann Riesenwahlplakate, nur Gelder fließen in eine Waschanlage, wenn er Bürgermeister wird. Und jetzt das „Kommunikationsproblem“. Da frage ich mich als Bürger: Wie korrupt ist Schwerin in der Zwischenzeit geworden ?

  7. Avatar von Redaktion

    Die ASK ist keine Partei. Und Schwerin.news unparteiisch, nicht unpolitisch. Zwischen Meinung/Kommentar und Nachricht wird strikt getrennt und entsprechend gekennzeichnet. Verträgt sich ziemlich gut.

  8. Avatar von
    Anonymous

    Diese Seite stellt sich so dar, als wäre sie nicht politisch motiviert. Ist sie aber, die Autoren teilen Informationen nicht unparteiisch. Sie vertreten das politische Bild der ASK. Dieser Zusammenhang ist auf der Seite unzureichend gekennzeichnet. Es wird suggeriert, dass es sich um eine neutrale Newsseite handelt.

    Über maxpress zu berichten ist nicht das Problem. Das passt schon. Aber bitte bringt mal offen auf den Punkt, wer ihr selbst seid und wie ihr eure Neutralität, von der ihr selbst schreibt, sicherstellen könnt, wenn ihr entweder ein aktueller Stadtvertreter oder ein ehemaliger Stadtvertreter seid. Wie passt das zusammen.

  9. Avatar von Redaktion

    Der Vergleich hinkt. ASK hat keine Anstellungen in irgendeiner Form im Stadthaus, Stadtverwaltung, auch bei keinem kommunalen Unternehmen.
    Lediglich einen Sitz in der Stadtvertretung. J

    a zwei Autoren die Verbindungen zur ASK haben schreiben hier bei http://www.schwerin.news- doch auch bei http://www.schwerin.news verdient niemand Geld.

    Jeder Cent den http://www.schwerin.news einnimmt fließt in das News Projekt. Keine Gewinne, nix. Keine Jobvergabe, keine bezahlten Dienstleistungen, keine Auftragsvergabe oder dergleichen.

    Was sein kann und unbestritten ist, ist die Grundeinstellung bei beiden Projekten. Meinungsbeiträge sind stets als Kommentare gekennzeichnet.

    Also der Vergleich hinkt gewaltig.

    Hoffe das genügt als Antwort an den unpolitischen Freund.

  10. Avatar von
    Anonymous

    wie ist das eigentlich mit schwerin.news und der Verbindung zur ASK ? Frag für nen unparteiischen Freund ;)

  11. Avatar von
    Anonymous

    Filz ist demokratiefeindlich. Einige wenige proftieren und der Bürger zahlt. Bei einer GmbH ist der Geschäftsführer weisungsgebunden. Das heißt, Gesellschafter und/oder Aufsichtsrat können dem Geschäftsführer verbindlich vorschreiben, wie er zu entscheiden hat. Daher muss man sich dasesamte Konstrukt und alle Akteure genau anschauen.

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